Mo. Jul 4th, 2022

Pasau – Die Universität Passau erhält ihre erste Humboldt-Professur, derzeit mit bis zu fünf Millionen Euro der höchstdotierte deutsche Wissenschaftspreis. Der Informatiker Prof. Dr. Samarjit Chakraborty soll mit der Humboldt-Professur an der Universität Passau eine Schnittstelle zwischen Informatik und Ingenieurwissenschaften besetzen, um an nachhaltigen Rechnertechnologien und Softwarelösungen zu forschen. Der geplante Lehrstuhl für Sustainable Computing soll die Forschung an der Fakultät für Informatik und Mathematik entlang der Forschungsschwerpunkte „Nachhaltige Entwicklung“ und „Digitalisierung“ komplettieren.

Wie kann zukünftig eine drohnengestützte Warenlieferung sicher gestaltet werden? Wie müssen die verwendeten Batterien geladen werden, um Effizienz und Nachhaltigkeit zu verbinden? Zur Lösung solcher Fragen ist ein interdisziplinärer Ansatz notwendig, wie ihn Prof. Dr. Samarjit Chakraborty seit Jahren verfolgt. Sein Forschungsgebiet reicht von Echtzeit-, eingebetteten und cyber-physischen Systemen bis hin zu Softwaredesign und Batteriemanagement. Bei Echtzeitsystemen, wie etwa der Airbag-Steuerung eines Autos, hat er auch immer Energieeinsparungen im Blick und analysiert, wie Spannung und Taktrate verringert werden können, ohne die Reaktionszeiten zu beeinträchtigen.

Neben der Entwicklung eingebetteter Systeme für Elektrofahrzeuge spielen in Chakrabortys Forschung neue Batteriemanagementsysteme und -architekturen sowie Methoden zur Reduzierung der Batteriealterung eine entscheidende Rolle. Seine Forschungsgruppe entwickelte ein neuartiges Konzept zum Ausgleich von Ladung mittels „intelligenter Zellen“. Hierbei wird jede Zelle mit Sensoren und Kommunikationsschnittstellen ausgestattet, sodass ein dezentrales Batteriemanagement möglich ist. Das Ergebnis sind modulare Batteriepacks, die maßgeschneiderte zentrale Managementsysteme überflüssig machen und somit die Kosten für Großbatterien stark senken. Darüber hinaus kann jede Zelle nun ihre Historie speichern, einschließlich der Temperaturen. Solche Informationen sind für Wartung oder Recycling essenziell, da „gesunde“ Zellen und Packs nun leichter identifiziert werden können.

Chakraborty konzentriert sich zunehmend auf mobile Endgeräte wie Smartphones und entwickelte dafür eine Webbrowser-Energiemanagementstrategie, die den Energieverbrauch um 55 Prozent senkt. Weitere Erfolge sind der Entwurf des ersten vollständigen Modells für Bluetooth Low Energy und die Lösung eines Problems bei der Bluetooth-Nachbarschaftserkennung, angewendet etwa bei der COVID-19-Kontaktverfolgung.

„Wir schätzen uns glücklich, dass die Humboldt-Stiftung mit dem von der Universität Passau nominierten Prof. Dr. Chakraborty einen so exzellenten und international renommierten Wissenschaftler zur Förderung ausgewählt hat und hoffen nun sehr auf einen positiven Abschluss der anstehenden Berufungsverhandlungen. Das wäre ein weiterer bedeutender Meilenstein für die Forschungsstärke unserer Universität“, so Prof. Dr. Robert Obermaier, Vizepräsident für Forschung der Universität Passau.

Zur Person Samarjit Chakraborty
Nach seinem Studium der Informatik in Indien promovierte Samarjit Chakraborty 2003 in Elektrotechnik an der ETH Zürich, wo er für seine Dissertation die ETH-Medaille und den Outstanding Doctoral Dissertation Award (EDAA) erhielt. Anschließend arbeitete er als Assistant Professor für Informatik an der National University of Singapore, bevor er 2008 als ordentlicher Professor für Elektrotechnik an die TU München ging. Bis 2019 hatte er dort den Lehrstuhl für Echtzeit-Computersysteme inne und leitete parallel eine Forschungsgruppe zu Elektroautos am TUM-CREATE Center in Singapur, bevor er an die University of North Carolina wechselte.

Zur Alexander von Humboldt-Professur
Die Alexander von Humboldt-Professur ist der höchstdotierte deutsche Wissenschaftspreis und wird ausschließlich an Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher verliehen, die in ihrem Fachgebiet weltweit führend sowie im Ausland tätig sind. Die Humboldt-Professur wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Weitere Informationen: https://www.humboldt-foundation.de – Nicola Jacobi, Universität Passau

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