Mo. Mai 20th, 2024

Horbach / Westerwald – Die Zahl der Autodiebstähle hat sich in den vergangenen Jahren wieder erhöht. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden im Jahr 2022 insgesamt 12.277 kaskoversicherte Pkw gestohlen – 25 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Während der Corona-Pandemie waren aufgrund der damit verbundenen Einschränkungen die Autodiebstähle in Deutschland noch deutlich zurückgegangen. Nach dem Ende der Lockdowns verzeichnen die Kfz-Versicherungen nun wieder eine deutliche Zunahme an Fällen. Besondere Sorgen bereiten den Versicherern dabei die sogenannten Keyless Go-Systeme, mit denen Fahrzeuge ohne Betätigung des Schlüssels entriegelt werden können. Sie machen es Kriminellen offenbar besonders leicht, Autos zu stehlen.

Dazu zitiert der ADAC die Polizei Karlsruhe mit der Aussage: „Rund 15 Sekunden brauchen Täter um ein Auto, das mit dem Keyless Go-System ausgestattet ist, zu entwenden.“ Einfacher geht es demnach kaum. Dies bestätigen entsprechende Tests, die der Automobilclub seit 2016 kontinuierlich durchführt: Die weisen, Stand Oktober 2023, nämlich aus, dass sich fast 80 Prozent der Fahrzeuge mit Keyless-Systemen von Unbefugten problemlos öffnen und wegfahren lassen. Schöne neue Auto-Knacker-Welt…

Es liegt nahe, dass die Problematik nicht auf Deutschland beschränkt ist. So berichtete die britische „Times“ im Februar dieses Jahres, die Zunahme der Diebstähle von Autos mit Keyless-Systemen treibe die Kfz-Versicherungstarife auf eine neue Rekordhöhe. Dass es Kriminellen auf immer raffiniertere Art und Weise gelinge, Fahrzeuge zu entwenden, trage wesentlich zu einem Anstieg der Kfz-Versicherungskosten um fast 60 Prozent bei, schreibt die „Times“.

Dabei ist dieses Phänomen alles andere als neu. Schon 2016 klagte die „Wirtschaftswoche“: Die Keyless-Technik macht es Dieben geradezu sträflich leicht, Autos ohne Einsatz von Gewalt und völlig spurlos innerhalb von Sekunden zu öffnen, sie zu starten und damit zu verschwinden. Auch der ADAC warnt seitdem und macht anhand von Tests immer wieder deutlich, wie viele Keyless-Fahrzeuge wie leicht zu stehlen sind. Da fragt sich der besorgte Autobesitzer, wie gelingt dies den Dieben eigentlich?

Eigentlich ist der Trick ganz simpel: Keyless Go, zu Deutsch „schlüsselloses Gehen“, meint das Öffnen und Starten eines Autos, ohne dass der Schlüssel aktiv genutzt bzw. eingesteckt wird. Allein die Nähe des Schlüssels zum Fahrzeug reicht aus, um dieses zu aktivieren. Dazu wird digitale Funktechnik verwendet. Das heißt, der Kfz-Schlüssel sendet dauerhaft ein Funksignal in einem geringen Umkreis aus. Wird dieses Signal des Schlüssels vom Auto aufgefangen, wenn man sich diesem nähert, lassen sich die Türen öffnen und der Motor kann per Knopfdruck gestartet werden. Diebe machen sich diese Technologie zunutze und setzen Reichweiten-Verlängerer ein, über die das Schlüsselsignal abgefangen und an das Fahrzeug weitergeleitet wird, wie die Polizei erläutert. Das ist die Schwachstelle des Systems.

Konkret bedeutet dies: Kriminelle können mit einem speziellen Gerät, einem sogenannten Reichweiten-Verlängerer, das Schlüsselsignal gezielt ausfindig machen und nutzen, um ein Fahrzeug zu öffnen, zu starten und damit zu verschwinden. Ganz ohne mechanische Gewalteinwirkung und in Sekundenschnelle. Der Kniff funktioniert übrigens leider selbst durch Hauswände. Und bedauerlicherweise können die Geräte zum Knacken laut ADAC mit wenig Aufwand selbst gebaut werden; die Bauteile im Wert von 100 Euro gibt es im Elektronikhandel.

Gegen diese Sicherheitslücke gebe es bislang offenbar nur technische Abhilfe, bedauern die Versicherer – etwa indem man den Keyless-Schlüssel mit Alufolie umwickelt oder in speziellen Schutzboxen sichert. Zudem sollte man solche Schlüssel nicht im Eingangsbereich von Wohnungen bzw. Häusern oder in der Nähe von Fenstern aufbewahren. Darüber hinaus empfehlen Versicherungen ihren Kunden, die grundlegenden Tipps zum Schutz vor Autodiebstahl zu beachten. Danach sollte ein Fahrzeug möglichst nicht am Straßenrand oder in ungesicherten Carports geparkt werden, sondern in einer abschließbaren Garage. Wer keine Garage nutzen kann, sollte sein Auto am besten in gut beleuchteten und belebten Straßen abstellen. Zudem ist es immer ratsam, selbst bei kurzer Abwesenheit den Zündschlüssel abzuziehen sowie Fenster, Türen, Kofferraum, Tankdeckel, Schiebedach und gegebenenfalls auch das Cabrio-Dach zu schließen.

Beim Abschließen mit der Funkfernbedienung sollten Autofahrer ferner immer darauf achten, dass das Fahrzeug das Verriegeln durch ein optisches und /oder akustisches Signal quittiert. Denn Diebe können das Funksignal mithilfe von Funkblockern stören. Und beim Verlust eines Autoschlüssels sollte man umgehend eine Fachwerkstatt aufsuchen, damit diese den verlorenen oder geklauten Schlüssel bei Bedarf sperren kann.

Doch welche Versicherung kommt dafür auf, wenn der Funkschlüssel tatsächlich geknackt oder das Keyless Go-System von Autodieben überwunden wurde? Dann zahlt die Kaskoversicherung. Bei einem gestohlenen Fahrzeug ersetzt die Kfz-Teilkaskoversicherung den Schaden. Das gilt genauso für eine Vollkaskoversicherung. Wenn nicht das ganze Auto, sondern „nur“ fest installierte Navis oder andere fest mit dem Fahrzeug verbundene Teile entwendet wurden, deckt diese Schäden eine Teilkasko ab. Mobile Navis, Smartphones, Laptops oder andere Wertgegenstände – kurzum alles, was nicht fest im Auto verbaut ist – werden von der Teilkaskoversicherung hingegen nicht ersetzt. – Recherche-Tipp im Goslar Institut

Kommentar verfassen