Sa. Okt 16th, 2021

Wieder einmal beginnt ein neues Schuljahr. Ab 11. September werden in Bayern daher viele kleine Kinder unterwegs sein. Und wieder wird es einige Kraftfahrer geben, die sich kopfschüttelnd über das eigenartige und anscheinend zügellose Verhalten der Kinder aufregen.

Natürlich haben sie Recht. Sie sollten sich aber erinnern, dass sie auch einmal ein kleines Kind waren und sich damals genauso benommen haben wie es jetzt die kleinen Kinder tun. Kinder sind nun mal so. Sie benötigen die Hilfe der Erwachsenen, weil deren Entwicklung viel weiter ist und weil sie im Straßenverkehr das haben, was ihnen noch fehlt. Erfahrung nämlich. Kleine Kinder befinden sich noch in der körperlichen Entwicklung und sind noch nicht so ausgereift, dass sie voll taugliche Verkehrsteilnehmer sind. Dafür können sie nichts. Die Natur gibt es vor.

So ist die Fähigkeit zur Richtungslokalisierung noch stark beeinträchtigt. Geräusche, die von hinten oder vorne kommen, sind für Kinder ein Problem. In 40 von 100 Fällen irren sie sich und können nicht sicher bestimmen, wo denn das Geräusch eigentlich herkommt. Die Anzahl der Fehler steigt rapide, wenn es darum geht, die Geräuschquelle richtig zuzuordnen, wenn das Geräusch von links oder rechts kommt. In 80 bis 90 Fällen irren sich die Kinder dann. Das ist ein Alarmzeichen, das jeder Kraftfahrer äußerst ernst nehmen sollte.

Kinder sind kurz. Zwischen Autos stehend werden sie nicht gesehen. Wenn sie aber selbst ein kommendes Auto sehen, bilden sie sich ein, dass sie ebenfalls gesehen werden. Da kann ein verhängnisvoller Fehler sein, für den sie aber nichts können.

Kinder haben auch ein engeres Blickfeld als die Großen. Im Vergleich zu diesen ist ihr Blickfeld um 30 % eingeschränkt. Von der Seite herankommende Fahrzeuge bemerken sie daher oft viel zu spät und können auch nicht beurteilen, ob sich ein Auto schnell oder eher langsam nähert. Sie sind spontan und laufen los, wenn es ihnen gerade mal einfällt. Und sie haben kurze Beine und brauchen daher recht lange, bis sie die Straße endlich überquert haben. Da kann ein Auto schon da sein.

Kinder würden sich gerne umsichtig verhalten. Sie können es aber noch nicht. Die Natur lässt es nicht zu. Auf all das müssen sich die Erwachsenen einstellen. Sie sind gefragt und müssen helfen. Nähern sie sich einer Schule oder einem Kindergarten muss – und nicht etwa soll- der Fuß vom Gas. Aufmerksamkeit und Bremsbereitschaft sind dringend angesagt. Kinder am Rande der Straße oder auf dem Gehsteig muss man beobachten. Spielende Kinder sind ein hohes Alarmzeichen. Rechtzeitiges Hupen zur akustischen Warnung ist nötig. Ein einzelnes Hupen, das muss sich jeder Autofahrer einprägen, nützt oft nichts. Kinder können Geräusche nicht zuordnen. Sie tun sich leichter, wenn mindestens zweimal gehupt wird.

Seit dem 1.8.2002 haften Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr bei Verkehrsunfällen nicht. Ein Kraftfahrer kann also auch dann Pech haben, wenn ihn gar kein Verschulden trifft. Das aber ist sicher das geringere Problem, Das größere ist, ein Kind zu verletzen, das sich zwar ungeschickt verhält, dafür aber nichts kann. Wer könnte sich da noch trösten.

Jeder, der je in ein lächelndes Kindergesicht gesehen hat, weiß um den Wert eines Kindes im Leben eines jeden Menschen. Kinder sind viel zu schade, als sie im Straßenverkehr verunglücken zu lassen. Sie brauchen die Hilfe und die Rücksichtnahme der Erwachsenen. Kinder sind eines jeden Zukunft. Kein Erwachsener darf das vergessen.

Kommentar verfassen