Do. Okt 21st, 2021

Am Mittwoch, 06.10.2021, fand die Zertifikatsverleihung im Landratsamt statt

Neuburg – Durch Zuwanderung wird unsere Gesellschaft bereichert, aber auch vor Herausforderungen gestellt. Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen leben mittlerweile 11.283 Menschen mit ausländischen Wurzeln aus 124 verschiedenen Nationen. Auch in Zukunft ist zu erwarten, dass Menschen aus den verschiedensten Ländern – aus Drittländern und Mitgliedsstaaten der Europäischen Union – in Deutschland einwandern. Sie alle sprechen nicht die deutsche Sprache und stehen alle vor der gleichen Aufgabe: sich zu integrieren und anzukommen.

Um die geltenden Werte und gesellschaftlichen Regeln zu verstehen und anzunehmen, ist der Erwerb der deutschen Sprache notwendig. Je nach Bildungsstand nimmt die Teilnahme an einem Integrationskurs viele Monate in Anspruch. Eine Behandlung beim Arzt oder im Krankenhaus, Gespräche in der Schule oder Kindergarten, Vorsprachen bei Ämtern usw. können aber nicht aufgeschoben werden bis der Integrationskurs abgeschlossen ist. Dies ist für viele eine Herausforderung.
Ehrenamtliche Laiendolmetscher können diese Lücke schließen und bei der Verständigung unterstützen. Bei vielen Terminen ist es nicht immer erforderlich, dass ein professioneller Dolmetscher tätig wird. Dennoch ist oft ein Sprachmittler notwendig, der weiß, worauf beim Übersetzen zu achten ist. Er verfügt über Kenntnisse bezüglich medizinischer und juristischer Fachbegriffe und wahrt Neutralität.

Am Mittwoch erhielten nun erstmals 16 Laiendolmetscher/-innen von Landrat von der Grün ein Qualifikationszertifikat. „Nun können Sie für Menschen mit Migrationshintergrund, die der deutschen Sprache nicht in ausreichendem Maße mächtig sind, bei Arztterminen, Behördengängen und Kinderbetreuung qualifiziert dolmetschen und diese damit unterstützen“, so äußerte sich Landrat von der Grün: „Über dieses ehrenamtliche Engagement freue ich mich sehr“.
Nachdem die Hauptamtlichen Integrationslotsen das Qualifizierungsangebot veröffentlich hatten, gingen zahlreiche Bewerbungen ein. Nach einem Auswahlverfahren zur persönlichen Eignung absolvierten die Laiendolmetscher dann eine umfangreiche Qualifizierungsmaßnahme, in der u.a. Techniken des Dolmetschens erlernt wurden. Aber auch die eigene Migrationsgeschichte und Selbstreflexion sowie Schweigepflicht und Neutralität waren neben vielen weiteren Punkten Teil der Qualifizierung. Diese wurde in Zusammenarbeit mit der Diakonie Augsburg angeboten. Im Frühjahr 2022 wird noch eine Zusatzqualifizierung für das Dolmetschen im therapeutischen Setting angeboten. Um die Qualitätsstandards zu halten, werden die Laiendolmetscher von den Hauptamtlichen Integrationslotsen am Landratsamt weiterhin begleitet u.a. durch Fortbildungsmaßnahmen, Supervisionen und Austauschtreffen.

Das Zertifikat bestätigt den Laiendolmetschern ihre Qualifikation. Auf der Rückseite werden die Fortbildungen dokumentiert, so dass eine gleichbleibende und beständige Qualität nachgewiesen werden kann.

Unterstützt werden kann bisher nur in den Sprachen Arabisch, Bosnisch, Englisch, Kroatisch, Kurdisch, Nigerianische Sprachen, Persisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch und Ukrainisch. Daher werden weitere interessierte Bürgerinnen und Bürger gesucht, die sich zum Laiendolmetscher qualifizieren möchten. Laut Emmy Böhm vom Ausländeramt besteht aktuell u. a. für die Sprachen Somali, Bulgarisch, Polnisch und Urdu noch ein großer Bedarf.
Haben Sie Interesse? Dann melden Sie sich im Landkreis bei den Hauptamtlichen Integrationslotsen – Susanne Beck und Alda Kero – unter der Telefonnummer 08431-57-476 oder per Mail an integrationslotsen@neuburg-schrobenhausen.de – Christoph Unterburger, Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen

 

 

 

Bildtext: Bei der Zertifikatsverleihung: Die ersten Laiendolmetscher des Landkreises mit Landrat Peter von der Grün und Emmy Böhm, Leiterin der Ausländerbehörde.
Fotonachweis: Landkreis Neuburg-Schrobenhausen

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