Di. Mai 28th, 2024

Oberfränkischer Vulkankrater konservierte 20 Millionen Jahre alte Baumpollen – damals kein Fichtenwald im Fichtelgebirge

München – In einem Vulkankrater bei der oberfränkischen Stadt Selb wurden rund 20 Millionen Jahre alte Baumpollen entdeckt, wodurch der damalige „Ur-Wald“ im Fichtelgebirge rekonstruiert werden kann.
Dies erklärte Roland Eichhorn, der Leiter des Geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt (LfU) nach Abschluss der Pollen-Untersuchungen. Eichhorn: „Vor Jahrmillionen sprengte ein Vulkanausbruch ein über 70 Meter tiefes Loch in den Untergrund des Fichtelgebirges. Die Naturkatastrophe von damals entpuppt sich als Glücksfall für die Forschung von heute.“ Denn der Wind wehte Pollen der dort wachsenden Bäume ins Loch, die später von schützender Erde überdeckt und so bis heute konserviert blieben.

Vom LfU beauftragten Geowissenschaftlern der TU Darmstadt gelang es, fossilen Pollen aus den Proben der Vulkankrater zu extrahieren. So war es möglich, dem Paläo-Wald im Fichtelgebirge auf die Spur zu kommen. Nach der Vulkanexplosion besiedelten die kahlen Kraterhänge zuerst Farne als typische Pionierpflanzen, gefolgt von Ulmen und heute exotischen Hickorybäumen. Erst allmählich kam der ursprüngliche Mischwald aus Kiefern, Fichten, Rotbuchen, Kastanien und Walnussgewächsen zurück. Direkt am feuchten Ufer des wassergefüllten Lochs breitete sich ein Sumpfwald mit Zypressen und Gagelsträuchern aus.

Das Fichtelgebirge und die nordöstliche Oberpfalz erlebten in der jüngeren Vergangenheit gleich zweimal eine explosive vulkanische Phase – vor rund 20 Millionen und vor 300.000 Jahren. Die Hinterlassenschaften dieser Vulkanausbrüche – wassergefüllte Maare – wurden erst in den letzten Jahren durch Auswertung hochauflösender Geländefotos, geophysikalische Methoden und Bohrungen entdeckt. Die Erkundungen dauern an. – Bayerisches Landesamt für Umwelt

Pollenanalyse in einem vulkanischen Maar (bayern.de)

Sporen und Pollen der Pionierpflanzen nach der Vulkanexplosion: Kletterfarn und Tüpfelfarn (oben); Ulme und Hickory (unten).; Quelle: Dr. Olaf Lenz, TU Darmstadt

Kommentar verfassen