Mi. Jun 16th, 2021

…mit „Drei-Welten-Konzept“ + Sinnesgarten
Die Entscheidung zum Neubau, die Planung und Standortsuche zogen sich einige Jahre hin. Inzwischen konnten nach nur 18 Monaten Bauzeit die Bewohner des alten, 1972 erbauten BRK-Seniorenheims im Neuburger Schwalbanger in ihr neues Domizil in der Richard-Wagner-Str. 18 umziehen. Wir befragten dazu die BRK-Pflegedienstleiterin und stv. Einrichtungsleiterin Astrid Schneider:

Das neue Haus und die neuen Räumlichkeiten sehen wirklich sehr ansprechend aus: modern, hell, freundlich, einladend, groß. Wie viel hat die ganze Baumaßnahme gekostet?
Von Seiten des Investors „Modern Living“ liegen die Kosten bei ca. 8 Mio Euro; das BRK-Seniorenzentrum selbst hat zusätzlich noch ca. 1 Mio Euro investiert für Inventar, Einrichtungsgegenstände, Gartengestaltung usw. Die Garten- und Pflanzarbeiten gehen bis in den Herbst hinein weiter. Wir wollen einen „Sinnesgarten“ mit Spazierwegen auf rutschfestem Belag, Bänken und Pergolen anlegen, den unsere Bewohner und ihre Angehörigen besuchen und sich an seiner Schönheit erfreuen können. Da gibt es unter anderem Teiche mit Goldfischen und Kleintiergehege mit Hasen und Minischweinen. Zu unserem „Tierpark“ gehören auch unser beliebter Hauskater „Benny“ und Vögel in den jeweiligen Wohnbereichen. Im Garten entstehen ferner „Hochbeete“, wo sich Bewohner aktiv an der Gartenarbeit beteiligen können, sofern sie dies möchten. Nächstes Jahr, wenn alles angewachsen ist und grünt und blüht, kann man das endgültige Ergebnis sehen.

Wie viele Bewohner können Sie jetzt unterbringen?
Wir haben Platz für 105 Bewohner in 81 Einzel- und 12 Doppelzimmern.

Was hat sich im neuen Heim im Vergleich zum bisherigen geändert?
Wir haben jetzt insgesamt 6 Pflegeplätze mehr. Unser neues Haus ist in sechs Wohnbereiche geteilt. Zur besseren Orientierung sind die drei Etagen farblich unterschiedlich gestaltet und jeder Wohnbereich hat seinen nach Blumen benannten Straßennamen. Ein gravierender Unterschied ist die neue Ausrichtung angelehnt an das Schweizer „Drei-Welten-Konzept“.

Würden Sie dieses „Drei-Welten-Konzept“ bitte näher erläutern?
Dieses Modell hat sich in der Schweiz als dreistufige, stationäre Wohn- und Lebensform für demenzbetroffene Menschen außerordentlich bewährt und wurde im BRK-Seniorenzentrum wie folgt umgesetzt: Die „Erste Welt“ ist im Erdgeschoss für Bewohner mit leichten bis mittleren Demenzen, die ein bisschen Unterstützung in ihrer Tagesstruktur und bei der Gartennutzung brauchen und nach dem „Normalitätsprinzip“ zum Mithelfen angeleitet werden. Die „Zweite Welt“ sind offene, geronto-psychiatrische Wohnbereiche im 1. Obergeschoss für Bewohner mit mittleren bis schweren Demenzen. Hier geht es vor allem um Sinnesanregung und um das „in-der-eigenen-Welt sein-dürfen“. Die „Dritte Welt“ im einen Wohnbereich des 2. Obergeschosses ist die „Pflegeoase“ für Bewohner mit schwersten Demenzen sowie für Bettlägerige. In diesem Aufenthaltsbereich können sie mit ganz individuellen Liegerollstühlen oder dem Bett gefahren werden, z.B. auf die Hochterrasse. Dort können auch sie das „Freiluft-Gefühl“ erleben. Im zweiten Wohnbereich des 2. OG wohnen Rüstige und somatisch erkrankte Senioren, die z.B. einen Schlaganfall hatten, aber geistig noch fit sind.

Woher kommen eigentlich die Heimbewohner, wie alt sind sie?
Das durchschnittliche Eintrittsalter liegt bei 85 Jahren. Unsere Bewohner kommen fast ausschließlich aus unserer Region, denn ehemalige Neuburger wollen auch im Alter in ihrer Heimatstadt bleiben.

Wie ist der Tagesablauf der Bewohner strukturiert?
In jedem Wohnbereich haben wir so genannte Präsenzkräfte und Betreuungsassistenten, die sich von Montag bis Sonntag, von 7 Uhr bis 19.30 Uhr intensiv um die Bewohner kümmern, damit diese nicht allein herumsitzen, sondern immer Anregung, Ansprache und Beschäftigung haben. Ein ganz besonders wichtiger Aspekt ist dabei das „Normalitätsprinzip“, d.h. die Bewohner werden ermuntert, soviel wie möglich aus ihrem bisherigen Leben umzusetzen. Sie können z.B. je nach Wunsch auch Teilaufgaben in den Wohnbereichsküchen übernehmen und so Selbstbestätigung und das für viele sehr befriedigende Gefühl erfahren, mit gewisser Unterstützung „noch etwas Nützliches“ tun zu können. Da werden z.B. hauswirtschaftliche Tätigkeiten miteinander gemacht und Gespräche darüber geführt, wie man das früher getan hat, was man am liebsten gekocht und gegessen hat usw. Über dieses aktive Mitmachen passiert ganz viel im Bereich Sinnesanregung und Gedächtnistraining.

Wie viel Personal haben Sie?
Unser Personalstand entspricht dem gesetzlich vorgegebenen Pflegeschlüssel. Wir haben insgesamt 85 aktive Mitarbeiter einschließlich der Präsenzkräfte, die auf 400 Euro-Basis arbeiten. Diese sind über den Stellenschlüssel hinaus zusätzlich finanziert. Das ist sozusagen unsere Zugabe, weil wir die Beschäftigung und Anregung der Bewohner als äußerst wichtig betrachten.

Haben Sie noch freie Plätze? Und was passiert, wenn auch diese voll belegt sind?
Durch unsere Heimplatzerhöhung können wir noch 7 neue Bewohner aufnehmen. Die Bevölkerung wird zwar immer älter, aber aufgrund eines neu gebauten Seniorenheims in Neuburg mit ca. 100 zusätzlichen Heimplätzen sehe ich derzeit eher eine gewisse Überkapazität, die sich erst in ca. 10 Jahren aufgrund der demographischen Entwicklung ausgleichen wird.

Was möchten Sie unseren Lesern mitteilen?
Wir haben im Erdgeschoss eine großzügige Cafeteria mit integriertem Restaurant, das auch der Öffentlichkeit zugänglich ist. Es gibt hier einen sehr guten und preiswerten Mittagstisch, sowie nachmittags Kaffee und selbstgebackene Torten und Kuchen. Im Haus befindet sich auch ein Frisörsalon und eine Fußpflegepraxis. Diese können selbstverständlich auch von Nicht-Bewohnern gerne genutzt werden. Wir sind ein offenes Haus und freuen uns über jeden Besucher!

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