So. Jun 16th, 2024

Neuburg – Der ‚einfache Faschingskrapfen‘ erlebt einen Preissprung von 1-2,20 Euro… Sonnenblumenöl verteuerte sich von 0,79 auf 4,99 Euro. Heizöl kletterte zuweilen auf 1,82 Euro (ist jetzt wieder bei 1,00) und an den Zapfsäulen erleben wir eine Berg- und Talfahrt, die sich in einer Range von 1,20 – 2,20 Euro bewegt. Bei letzteren musste sogar der Staat einschreiten, weil die Absprachen der Ölkonzerne bis zum Himmel schrien…
Da wurde flugs eine ‚Übergewinn-Abgabe‘ ins Spiel gebracht, die eh‘ nie kommt, aber scheinbar ein probates Mittel war, um den Größenwahn der Ölmultis zu bremsen. Die Butter sprang von 1,49 auf 2,25 Euro, die Milch von 0,55 auf 1,05 usw.usw. Alle Produktgruppen, und meine Aufzählung könnte noch viel weiter gehen, haben eines gemeinsam. Den Preissteigerungen ging immer eine Panikmache in der Presse voraus. Das scheint ein erfolgreiches Muster zu sein: Erst Angst und Verunsicherung schüren, dann die Preise anheben – das fällt dann nicht so auf – stand ja in der Presse…

Nach zwei Jahren Tristesse in der Narretei, wunderte es nicht, dass nahezu jede Veranstaltung in der Region über Besucherrekorde jubeln konnte. Mitgerissen von der guten Laune kam ich nicht umhin, mit dem Gedanken zu spielen, Freunden und Familie einige dieser herrlichen Krapfen zukommen zu lassen. „Sechs Krapfen bitte aus dem Angebot – mit dem einen gratis…“ fragte ich höflich. Die Verkäuferin entgegnete: „Das Angebot ist gestern ausgelaufen! Den einen gratis gibt es nicht mehr..“ Verdutzt zuckte ich zusammen. Jetzt war der einzelne Krapfen mit 1,90 Euro eh‘ schon hoffnungslos überteuert – aber dann noch den Gratiskrapfen zu streichen, war meines Erachtens für den Einstieg in die heiße Phase (es war Weiberfasching-Donnerstag) absolut unpopulär… – ich lehnte dankend ab und verwies auf unverschämten Wucher… Schon machte ich mich auf den Weg, um die Krapfenpreise in der Region zu recherchieren. Rennertshofen 1,90 ohne Gratiskrapfen; Neuburg sogar über 2 Euro ohne Angebot…; Karlshuld 1,10 Euro bei 6 Stück; Donauwörth 1,60; Discounter bleiben außen vor… – warum sind die Preisunterschiede so hoch? Schon in den letzten Monaten konnte ich in den Medien verfolgen, dass in den Berichterstattungen von Preiserhöhungen wegen der hohen Energiekosten die Rede war. Insbesondere das Bäckerhandwerk sei betroffen. Bei Obst und Gemüse sind es die horrenden Lieferkosten wegen der hohen Energiepreise usw. usw.

Es fällt auf, dass vielen Preissteigerungen eine gewisse Öffentlichkeitsarbeit der Medien vorausgegangen war. Scheinbar haben Dienstleistungsbetriebe und Handwerk herausgefunden, das mit Panikmache Geld zu verdienen ist. Schließlich hat das doch an den Tankstellen der Nation hervorragend funktioniert. Eine Pipeline wird geschlossen und schon steigt der Preis an der Zapfsäule um 20-30 Cent nach oben. Einige Monate gingen die Preisabsprachen auf und bescherten allen gleichsam höchste Gewinnspannen. Es ist offensichtlich, dass sich der Handel seit über einem Jahr bei nahezu dem gesamten Sortiment die Taschen voll macht, die beschriebenen hohen Kosten doch wohl meist nur Erfindungen der Presse sind, die von den Innungen und den PR-Büros mit produktgelagerten Artikeln gefüttert werden. Schauen Sie sich doch mal den Ölpreis an. Der ist schon seit Monaten auf unter 100 Dollar pro Barrel gesunken und trotzdem ist der Nachlass nur bedingt an den Zapfsäulen angekommen.

Die eine Bäckerei schafft es den Krapfen für 1,10 Euro zu verkaufen; die andere braucht 1,90 Euro…; das Brot kostet mittlerweile über 4 Euro für 750g… usw. usw. – Und der frisch ausgelernte Bäckergeselle bekommt 13 Euro in der Stunde; der frisch ausgelernte Metzgergeselle 13,50. Das Missverhältnis zwischen Krapfen-Verkaufspreis und Gesellenlohn ist frappant und so ziemlich sicher auch der Grund, warum in den verschiedenen Handwerks-Branchen der Nachwuchs fehlt. Bei einer solch‘ schamlos ausufernden Gewinnspanne würde man doch zumindest einen anständigen Lohn in der Wertschöpfung vermuten – doch Fehlanzeige…

Meine Empfehlung: Weniger Zeitung lesen… – Weniger Beeinflussung! Bei Überteuerung nach Alternativen suchen…, denn Butter kann man auch selber machen… Dasselbe gilt im Übrigen auch für Gemüse… Apropos Gemüse: Ich muss vier weitere Beete umgraben und noch zwei zusätzliche Hühner beschaffen… – es lebe die Selbstversorgung! – B.Bernd, brennessel

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