Do. Dez 8th, 2022

Ingolstadt, 26. Oktober 2022 (upd) – Mit der Psychologieprofessorin Prof. Dr. Rita Rosner und dem Betriebswirt Prof. Dr. Pirmin Fontaine haben zwei Wissenschaftler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) den Forschungspreis des Rotary Club Ingolstadt erhalten. Die Auszeichnung der Rotarier wurde nach 2021 zum zweiten Mal für exzellente und herausragende wissenschaftliche Projekte von Forschenden in Ingolstadt vergeben. Erstmals fand die Preisverleihung am Ingolstädter Campus der KU statt.

Rosner und ihr Team von der in Ingolstadt ansässigen psychotherapeutischen Hochschulambulanz bekamen einen Preis für die langjährige Erforschung des Krankheitsbildes der anhaltenden Trauerstörung sowie die Erprobung von Behandlungsmethoden. Pirmin Fontaine, Juniorprofessor für Operations Management an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Ingolstadt, wurde für ein Forschungsprojekt ausgezeichnet, das den Einsatz von Lastenfahrrädern in der Logistik im städtischen Umfeld im Hinblick auf Effizienz und Nachhaltigkeit untersucht.

Über seinen Förderverein Rotary Stipendium Ingolstadt e.V. verleihen die Ingolstädter Rotarier den mit 5000 Euro dotierten Rotary Forschungspreis seit 2021 – wechselweise an der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) und der KU. Der Preis sei bestimmt für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die „innovative Impulse für die gesellschaftliche, soziale, technische, wirtschaftliche oder ökologische Entwicklung geben“, erläuterte Dr. Martin Beck, Vorsitzender des Vereins Rotary Stipendium Ingolstadt. Zu den Auswahlkriterien zählten die wissenschaftliche Qualität und Relevanz der Forschung, der Innovationsgrad, der Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen sowie Reifegrad und Realisierungswahrscheinlichkeit der Forschungsergebnisse. Wichtig sei auch der Impactfaktor, also die Wirkung der Forschung in die Gesellschaft etwa durch Veröffentlichungen. Die Jury musste sich in diesem Jahr unter zehn herausragenden Einreichungen entscheiden. Aufgrund der hohen Qualität der vorgeschlagenen Projekte habe man sich für eine Aufteilung des Preises entschieden, sagte Beck.

Henriette Deking, Präsidentin des Rotary Club Ingolstadt, erinnerte beim Festakt an das „selbstlose Dienen am Nächsten“ als Leitlinie von Rotary. Dieses Ziel verfolgten die Rotarier in Ingolstadt seit 1959 durch Spenden und Förderungen für Projekte wie etwa Zuwendungen an das Museum für konkrete Kunst in Ingolstadt oder den weltweiten Kampf gegen Kinderlähmung. Nicht ohne Zufall sei der Weltpoliotag am 24. Oktober als Datum für die Preisverleihung gewählt worden. Um auch den Dienst an der Gesellschaft durch die Wissenschaft zu würdigen, habe der Ingolstädter Club nach dem renommierten Sozialpreis auch einen Forschungspreis ins Leben gerufen, um so die wissenschaftlichen Leistungen an der KU und THI zu würdigen und sichtbar zu machen. Im Namen der Universität dankte KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien dem Rotary Club Ingolstadt für diese Initiative. Die KU verfolge mit ihrer Forschung auch das Ziel in die Gesellschaft hineinzuwirken – nicht zuletzt durch ihre Vernetzung mit Politik, Wirtschaft und gesellschaftlichen Partnern in der Region. Die Kriterien des Rotary-Forschungspreises deckten sich in hohem Maße mit den Ansprüchen der KU an ihre Forschungsleistung.

Rita Rosner, die seit 2011 Inhaberin des Lehrstuhls für Klinische und Biologische Psychologie an der KU ist, hat maßgeblich die Erforschung des Phänomens der anhaltenden Trauerstörung vorangetrieben. Im Normalfall gelingt es Hinterbliebenen, sich nach dem Verlust einer nahestehenden Person nach und nach an die neue Lebenssituation anzupassen und den Verlust zu verarbeiten. Betroffenen, die eine anhaltende Trauerstörung entwickeln, erfahren auch nach langer Zeit keine Linderung des Schmerzes. Die Sehnsucht nach der verstorbenen Person bleibt unvermindert groß, manche Betroffenen sind verbittert, knüpfen einen Teil ihrer Identität an den Verstorbenen. Die anhaltende Form der Trauer trete sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen auf und führe oft zu einer massiven Beeinträchtigung im Alltag der Betroffenen, erläuterte Rosner bei der Preisverleihung. Die Diagnose „anhaltende Trauerstörung“ wurde erst vor kurzem bei einer Überarbeitung der Klassifikationssysteme für psychische Erkrankungen als Krankheitsbild aufgenommen. Dieses sei in der Bevölkerung weit verbreitet, erklärte Rosner. Die Psychologen der KU gehen aufgrund von Studien davon aus, dass in Deutschland bis zu fünf Prozent der Trauernden an einer anhaltenden Trauerstörung leiden. Ein plötzlicher Tod stelle einen bedeutenden Risikofaktor für eine Trauerstörung dar – ebenso wie der Verwandtschaftsgrad, mangelnde Unterstützung aus dem sozialen Umfeld oder finanzielle Sorgen der trauernden Person. Im Verbund mit Wissenschaftlern anderer Universitäten arbeitet die Hochschulambulanz der KU an der Weiterentwicklung von psychotherapeutischen Behandlungsmethoden, die auf die speziellen Bedürfnisse trauernder Patienten angepasst sind und auf die Bewältigung sowohl der Trauer als auch der dadurch verursachten Alltagsschwierigkeiten fokussieren.

Mit dem zweiten Rotary-Forschungspreis wurde Pirmin Fontaine für seine Arbeit zu nachhaltiger Stadtlogistik ausgezeichnet. Fontaine, der seit 2019 Juniorprofessor an der KU ist, geht in einem ganzheitlichen Forschungsansatz der Frage nach, wie Lastenfahrräder in Innenstädten eine größere Rolle bei der Zustellung von Waren spielen können. Prof. Dr. Georg Rosenfeld, Wirtschaftsreferent der Stadt Ingolstadt, betonte in der Laudatio die große Bedeutung des Themas für die Lebenswirklichkeit der Menschen in der Stadt, denn nicht erst seit den Einschränkungen der Corona Pandemie würden Dinge auch des alltäglichen Bedarfs über das Internet bestellt. Fontaine geht der Frage nach, wie die Warenlogistik mit Hilfe von Lastenfahrrädern nicht nur nachhaltig, sondern auch effizient organisiert werden kann. So sei der Einsatz von Lastenfahrrädern nur dann sinnvoll, wenn es zusätzliche lokale Verteilstationen gebe und die Touren effizient geplant würden. Nicht für alle Waren sei eine Auslieferung per Lastenrad sinnvoll, Transporter für sperrige Waren würden weiterhin benötigt. Über Berechnungen konnte Fontaine zeigen, unter welchen Rahmenbedingungen sich der Umstieg lohnt und wie Logistiksteuerung dafür aussehen muss. Damit gelinge über dieses Forschungsprojekt die Zusammenführungen der Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Ein Ergebnis der Forschungsarbeit sind auch ein Online-Tool zur Berechnung des effizienten Einsatzes von Lastenfahrrädern und ein Leitfaden für Kommunen. – Constantin Schulte Strathaus, KU Eichstätt-Ingolstadt

Bildinformation Rotary-Forschungspreis 1: (v.l.) Dr. Martin Beck, Vorsitzender Rotary Stipendium Ingolstadt, Prof. Dr. Pirmin Fontaine, Henriette Deking, Präsidentin des Rotary Clubs Ingolstadt, KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien, Prof. Dr. Rita Rosner und Dr. Frank-Jörg Ulmer, Kassenwart des Vereins. (Foto: Klenk/upd)

Bildinformation Rotary-Forschungspreis 1: Prof. Dr. Pirmin Fontaine und Prof. Dr. Rita Rosner mit dem Rotary Forschungspreis. (Foto: Olma/Rotary Club Ingolstadt)

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