Sa. Dez 4th, 2021

Ingolstadt, (upd) – Welche Mittel stehen Staaten zur Verfügung, um gegen Steuerhinterziehung im Alltag vorzugehen und wie lässt sich eine höhere Steuermoral erzielen? Ein Team der Deutschen Berufsschule Hong Kong hat dazu unter Anleitung von Forschenden der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) einen außergewöhnlichen Lösungsansatz erarbeitet und dafür beim bundesweiten „Young Economic Summit YES!“ den Best Scientific Analysis Award gewonnen.

Der jährliche Wettbewerb ist ein gemeinsames Projekt der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft und der Joachim Herz Stiftung aus Hamburg. Forscherinnen und Forscher der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Ingolstadt der KU gehören zu den wissenschaftlichen Partnern von YES! und erarbeiten Themenstellungen für die Schulteams. Der Wettbewerb bietet Schülerinnen und Schülern eine gemeinsame Plattform und die Werkzeuge für die Entwicklung von Lösungen für ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Probleme. Bei der aktuellen Runde hatten erstmals auch internationale Schulen Gelegenheit zur Teilnahme.

Im Austausch mit Prof. Dr. Dominika Langenmayr (Lehrstuhl für für VWL, insbesondere Finanzwissenschaft an der KU) und ihrem wissenschaftlichen Mitarbeiter Philipp Krug entwickelte das Team der Deutschen Berufsschule Hong Kong das Konzept „Re-Tax – Together win in the fight of tax evasion!“. Sie widmeten sich darin der Tatsache, dass in vielen Ländern dem Staat Einnahmen verloren gehen, sobald etwa ein Friseurbesuch oder Einkäufe nicht über die Ladenkasse abgerechnet werden. So entgehen dem Fiskus Einnahmen durch die Mehrwertsteuer. „Steuerhinterziehung führt nicht nur zu einem Einnahmenproblem des Staates, sondern wird zurecht auch als unfair wahrgenommen. Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung müssen aber nicht auf Kontrolle und Fahndung unter Strafandrohung beschränkt sein. Deshalb haben wir uns gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der Frage gewidmet, wie Steuerehrlichkeit durch positive Anreize gesteigert werden kann“, erläutert Philipp Krug.

Konkret haben die Schülerinnen und Schüler das Konzept von Steuerlotterien erweitert, das bereits zum Beispiel in Griechenland oder Portugal praktiziert wird. Dort kann man mit Kassenbons an staatlichen Verlosungen von Geld- und Sachpreisen teilnehmen, so dass Kundinnen und Kunden gezielt nach den Quittungen verlangen. Das Team der Deutschen Berufsschule Hong Kong hat diesen Ansatz erweitert und ein Konzept für eine Smarthone-App entwickelt. Mit dieser registriert man sich einmalig und erhält einen personalisierten QR-Code. Diesen legt man beim Einkauf an der Kasse vor. Zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen Informationen wird dann auch ein QR-Code auf den Kassenbon gedruckt oder angezeigt. Der Kunde kann diesen scannen und nimmt automatisch an einem Gewinnspiel teil. Mit allen gesammelten Losen hat der Kunde die Chance, in wöchentlichen, monatlichen und jährlichen Verlosungen Geldpreise zu gewinnen. Damit soll ein Anreiz gesetzt werden, dass die Kunden nach jedem Einkauf den Kassenbon anfordern, um zu verhindern, dass die Kassiererin einen Einkauf nicht in der Kasse registriert.

Doch darüber hinaus liefert die App nach dem Kauf außerdem eine Benachrichtigung, die den Gegenwert des Mehrwertsteuerbeitrags für den jeweiligen Einkauf anzeigt – zum Beispiel „Ihr Mehrwertsteuerbeitrag entspricht dem Stundenlohn eines Polizeibeamten“. Jedes Mal, wenn eine Person an der Lotterie teilnimmt, wird sie also mit der Verwendung von Steuern konfrontiert und erwirbt so nebenbei Wissen und ein Bewusstsein für die Bedeutung von Steuern.

„Aspekte der Digitalisierung – auch in der Finanzverwaltung – sowie Fragen von Steuerhinterziehung und Steuergerechtigkeit sind hochaktuell. Insofern ist davon auszugehen, dass auch die politische Ebene Überlegungen dazu anstellen muss, wie man mit Hilfe neuer Technologien Anreize schafft – etwa durch Konzepte wie das der Schülerinnen und Schüler“, so Krug. – Katja Ossiander, Eichstätt-Ingolstadt

 

 

 

Bildinformation: Eine Siegertrophäe des Young Economic Summit geht auch an ein Schulteam, das von Forschenden der KU betreut wurde. (Foto: Young Economic Summit)

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