Mi. Jun 12th, 2024

Gezielte Ausschleusung von Schadstoffen ermöglicht Rückführung von Abfällen in Stoffkreislauf und schont Ressourcen

München – Am 07.05.2024 fand am Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) das Bayerische Fachsymposium der Abfallwirtschaft statt. Schwerpunkte der Veranstaltung waren die abfallrechtliche Einstufung von Abfällen und die Entsorgung asbesthaltiger Abfälle.

Es wurde deutlich, dass die Abfalleinstufung zwei Hauptaufgaben hat. Zum einen bekommt der Abfall durch die Einstufung einen eindeutigen Namen, einen so genannten Abfallschlüssel. Insgesamt 842 Abfallschlüssel stehen im Abfallverzeichnis der Abfallverzeichnisverordnung (AVV) zur Auswahl. Zum anderen wird der Abfall bei der Abfalleinstufung hinsichtlich gefahrenrelevanter Eigenschaften geprüft, wodurch festgestellt werden kann, ob der Abfall gefährlich ist oder nicht.

Durch die Abfalleinstufung werden die im Abfall enthaltenen Schadstoffe berücksichtigt und können so gezielt ausgeschleust werden. Vor allem im Hinblick auf das Recycling (d.h. die stoffliche Verwertung) von Abfällen ist die Ausschleusung von gefährlichen Stoffen wichtig, um eine Rückbelastung von Recyclingprodukten durch schädliche Stoffe zu vermeiden. „Denn es geht darum“, so Dr. Richard Fackler, Vizepräsident des LfU „dass das Vertrauen in die Recycling-Produkte gestärkt wird.“ Für eine gelingende Kreislaufwirtschaft ist es unerlässlich Stoffkreisläufe zu schließen, indem Abfälle natürliche Ressourcen ersetzen.

Als besonders relevanter Schadstoff wurde im zweiten Veranstaltungsteil Asbest behandelt, welcher, auf Grund des vielseitigen Einsatzes in der Vergangenheit abfallwirtschaftlich eine große Herausforderung darstellt. Bis 1993 wurde Asbest vorwiegend in der Baubranche für zahlreiche Anwendungen eingesetzt bis die gesundheitsschädliche Wirkung von Asbest bekannt wurde. Hr. Dr. Surkau vom Umweltbundesministerium wies darauf hin, dass nun die Zeit sei, den Schadstoff Asbest konsequent auszuschleusen. Dies könne nicht auf zukünftige Generationen verschoben werden, da die Gebäude, welche vor 1993 erbaut wurden, in den nächsten Jahren zu Abfall würden und eine schadstoffgerechte Abfallbewirtschaftung unerlässlich sei.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass bereits verbotene und beinahe vergessene Schadstoffe uns nun bei der Entsorgung von Abfällen wieder einholen und diese erschweren. Deshalb ist es notwendig, dass bereits bei der Entwicklung von Produkten die Entsorgung mitgedacht wird.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden Neuerungen auf Bundes- und europäischer Ebene vorgestellt, beispielsweise die geplante Einführung neuer Abfallschlüssel für Lithium-Ionen-Akkumulatoren- und Batterien auf EU-Ebene um auf den künftig größer werdenden Abfallstrom durch die Zunahme der Elektromobilität reagieren zu können. Zudem wurde die Methodik zur Abfalleinstufung näher beleuchtet und auf die frisch überarbeiteten „Technischen Hinweise zur Einstufung von Abfällen nach ihrer Gefährlichkeit“ hingewiesen, welche auf der Website der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall als Hilfestellung zur Abfalleinstufung veröffentlicht wurden.

Asbest stellt abfallwirtschaftlich eine große Herausforderung dar. Man findet Asbest in Fassadenplatten an Hauswänden, in Abstandshaltern von Betonwänden, in Spachtelmassen in Deckenfugen oder in Fliesenklebern. Asbest wurde in solch zahlreichen Bereichen eingesetzt, dass Gebäude, welche vor 1994 errichtet wurden als potentiell asbestverdächtig gelten.

In der Veranstaltung wurde deutlich, dass eine gründliche Schadstofferkundung im Vorfeld einer Abbruchmaßnahme unerlässlich ist, um die Einsatzbereiche von Asbest in einem Gebäude zu identifizieren und eine gezielte Sanierung oder einen kontrollierten Rückbau vornehmen zu können. Zudem weisen die Bau- und Abbruchabfälle ein großes Potential zur Schonung der Ressourcen auf, da dieser Stoffstrom in Bayern den größten Abfallstrom darstellt. Durch die konsequente Ausschleusung von Asbest, können hochwertige Recycling-Baustoffe hergestellt werden. – Bayerisches Landesamt für Umwelt

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