So.. März 15th, 2026

Bochum – Fast jede zweite Krankenkasse hat zum Jahreswechsel ihre Beiträge erhöht. Im Schnitt liegt der Beitragssatz aktuell bei 17,5 Prozent und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Laut Prognosen renommierter Institute müssen Versicherte der gesetzlichen Krankenkasse bis 2035 mit einem Anstieg auf über 20 Prozent rechnen, wenn sich die Finanzlage der GKV bis dahin nicht entspannt.

Aus diesem Grund wurde im Koalitionsvertrag der Bundesregierung die Einberufung der sogenannten FinanzKommission Gesundheit angekündigt, die bis Ende März 2026 erste Maßnahmenvorschläge zur Stabilisierung der Beitragssätze vorlegen soll. Der Bundesverband deutscher Physiotherapeuten – IFK e. V. mahnt, die Finanzsituation nicht mit Methoden lösen zu wollen, die schon vor Jahrzehnten nicht funktioniert haben, um die Gesundheitsversorgung nicht zu gefährden.

Die GKV befindet sich aktuell in einer schweren, andauernden Krise, weil sie immer höhere Ausgaben stemmen muss – eine Beitragsexplosion in der gesetzlichen Krankenkasse ist die Folge. Der GKV-Spitzenverband und der Verband der Ersatzkassen fordern daher beispielsweise, die Krankenkassenausgaben an die Einnahmen zu koppeln – also, dass sie nicht mehr ausgeben müssen, beziehungsweise dürfen, als sie mit den gegenwärtigen Beiträgen der Versicherten einnehmen. Auch die sogenannte Grundlohnsummenbindung wird wieder vorgeschlagen. Vereinfacht gesagt bedeutet dies: Steigen die Löhne der gesetzlich Versicherten in Deutschland im Durchschnitt um 3 Prozent, dürften auch die Vergütungen für Physiotherapeuten nur maximal um diesen Prozentsatz erhöht werden. „Diesen Mechanismus hatten wir in der Vergangenheit und er hat dafür gesorgt, dass sich die Gehälter in der Physiotherapie deutlich schlechter entwickelt haben als der Durchschnitt und dieser Beruf seit jeher mit Nachwuchsproblemen kämpft“, ordnet Ute Repschläger, Vorstandsvorsitzende des IFK das Thema Grundlohnsummenbindung ein.

Der IFK setzt sich seit seiner Gründung für eine angemessene und leistungsgerechte Vergütung physiotherapeutischer Leistungen ein, die eine wirtschaftliche Praxisführung ermöglicht. De facto würde diese Rückkehr eine Reihe an schwerwiegenden Folgen nach sich ziehen, vertieft Repschläger: „Der Fachkräftemangel würde weiter vorangetrieben und in der Folge zu noch größeren Versorgungslücken führen. Kurzfristig resultieren daraus noch längere Wartezeiten für Patienten, langfristig belastet dies das gesamte Gesundheitssystem. Denn kommt es zu einer physiotherapeutischen Unterversorgung, könnte dies dazu führen, dass gesundheitliche Beschwerden nicht oder zu spät therapiert werden, die zum Beispiel durch chirurgische Eingriffe, die meist kostenintensiver und riskanter sind, behoben werden müssen.“

Die von Krankenkassen geforderten Leistungskürzungen hält die Vorstandsvorsitzende für kontraproduktiv: „Werden bestimmte Therapien nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt, um zu sparen, haben betroffene Patienten schlichtweg keinen Zugang mehr zur nötigen Versorgung.“ Die Kürzung von Therapiezeiten oder Behandlungseinheiten hätten ähnliche Folgen. „Nehmen wir als Beispiel den Kreuzbandriss, der in der Regel operativ durch eine Kreuzbandplastik und anschließend durch einen mehrstufigen Prozess mit Physiotherapie behandelt wird, um die volle Funktionsfähigkeit wiederzuerlangen.

Fallen Behandlungseinheiten aus oder werden gekürzt, leidet die engmaschige Betreuung und der Muskelaufbau. Das Risiko eines erneuten Risses steigt, die frühzeitige Entstehung von Arthrose droht und somit natürlich auch die Gefahr von chronischen Schmerzen. Dieser Leidensprozess hat nicht nur Krankschreibungen zur Folge, sondern auch weitere Kosten durch Operationen, Schmerzmittel und Ausfallzeiten,“ verdeutlicht Repschläger, die selbst praktizierende Physiotherapeutin ist. Kurz gesagt: Spart man an dieser Stelle, steigen die Kosten in anderen Bereichen.

Was braucht es stattdessen für eine zukunftsfeste Versorgung?

„Um unsere Versorgung zukunftsfest zu machen, muss sie umstrukturiert und modernisiert werden“, drängt IFK-Vorstandsvorsitzende Repschläger: „Hierfür müssen wir nicht bei null anfangen, sondern können unsere vorhandenen Ressourcen umverteilen und besser nutzen.“ Gemeint ist hiermit insbesondere eine bessere Abstimmung der verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen. Ein optimierter Informationsaustausch ermöglicht es, relevante Daten schneller zu teilen, Behandlungsziele abzustimmen und Maßnahmen enger zu verzahnen. „Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass wir verbindliche Regeln brauchen, damit berufsübergreifende Abstimmung funktioniert. Auf freiwilliger Basis wird dies nicht flächendeckend klappen.“, erklärt Repschläger. Auch Heilmittelerbringern in Zukunft zu ermöglichen, ebenso Verordnungen ausstellen zu dürfen, würde zu einer effizienteren Nutzung der vorhandenen Ressourcen führen, da das benötigte Rezept nun nicht mehr beim Hausarzt angefordert werden muss.

„Alle Leistungserbringer – auch wir als Physiotherapeuten – sollten bei den anstehenden Veränderungen und uns betreffenden Themen mitreden, mitgestalten und unsere Expertise einbringen dürfen. Nur, wenn alle Bereiche des Gesundheitswesens an einem Strang ziehen, lässt sich heute der Grundstein für eine gute Versorgung von morgen legen“, appelliert Repschläger. – Franziska Münsberg, Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten

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