Do. Dez 2nd, 2021

München – Angesichts steigender Energiepreise hat EU Arbeitskommissar Nicolas Schmitt vor wachsender Energiearmut in Europa gewarnt. In Deutschland werden nun Forderungen laut, dem kurzfristig mit Heizkostenzuschüssen und Energiesteuersenkungen zu begegnen.

In der EU leiden bereits Millionen Menschen an Energiearmut, sagt EU-Arbeitskommissar Nicolas Schmitt. Zwar könne die EU-Kommission den Ländern helfen, die Auswirkungen der derzeit hohen Energiepreise für die Menschen zu begrenzen, aber es sei primär Sache der nationalen Regierungen, Maßnahmen zu ergreifen. Über steigende Preise bei Treibstoffen, Gas und fürs Heizen machen sich auch den Menschen in Bayern Gedanken. Das Thema des Tages hat sich im BR24 Radio damit beschäftigt.

Senkung der Energiepreise vor neuer Regierungsbildung
FDP-Chef Christian Lindner hat das Angebot von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ausgeschlagen, noch vor der Bildung einer neuen Regierung Gespräche über Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise zu führen. Die FDP habe im Bundestag vier Jahre lang für solche Ideen geworben, jedoch hätten sich CDU und CSU diesen Gesprächsangeboten nicht geöffnet, sagte Lindner. Zugleich betonte er, dass angesichts der steigenden Energiepreise etwas unternommen werden müsse, damit „die Mitte der Gesellschaft“ entlastet werde.

Zuvor hatte bereits CSU-Chef Markus Söder gefordert, die ökologische Frage nicht zu einer neuen sozialen Frage werden zu lassen. „Kurzfristig sollten wir mit Heizkostenzuschüssen und Energiesteuersenkungen auf die explodierenden Preise antworten“, sagte er.

Niedrigstpreise durch Corona
Dass viele die Steigerung der Energiekosten gerade als so extrem empfinden, hat aber auch damit zu tun, „dass wir die aktuellen Preise gerade vor allem mit den außergewöhnlichen Niedrigstpreisen vom Vorjahr vergleichen. Im Extremfall wurde dort ja beispielsweise Öl sogar mal zu Negativpreisen gehandelt“, sagt BR Energieexperte Dirk Vilsmeier im BR24 Thema des Tages. Damit sei der Preisanstieg zwar steil – bewege sich aber eher auf einen langjährigen Mittelwert zu, oder auch etwas darüber.

Energiepreise – Angebot und Nachfrage
„Zum anderen müssen wir genauer hinschauen, was für ein Preis gerade gemeint ist. Strom, Öl und auch Erdgas, das an Börsen gehandelt wird, hat auch einen Liefertermin. Der kann morgen sein – aber auch erst in zwei Jahren. Allein darüber ergeben sich schon sehr unterschiedliche Börsenpreise.“ Richtig sei aber auch, so Vilsmeier, dass diese Börsenpreise im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich höher seien. Und das liegen letztendlich am alten Spiel von Angebot und Nachfrage.

Dadurch, dass weltweit in einigen Bereichen die Wirtschaft wieder auf Hochtouren laufe, sei auch die Nachfrage gestiegen, erklärt Vilsmeier. „Man muss aber zum Beispiel beim Öl dazu sagen: Dort sind wir gerade bei rund 80 Dollar das Barrel. 2008 waren wir schon einmal bei 150 Dollar.“

Deutschland: Jeder Zweite heizt mit Gas
Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) heizen in Deutschland knapp 50 Prozent der Haushalte mit Gas und etwa ein weiteres Drittel mit Öl. Eine große Mehrheit der Bürger heizt mit diesen Brennstoffen – und ist dementsprechend über die steigenden Heizkosten besorgt. Hinzu kommt der Vorwurf, Russland würde das Gasangebot verknappen, um die Inbetriebnahme der neuen Pipeline „Nord-Stream 2“ zu beschleunigen.

„Im Grundsatz ist nichts bekannt, wonach Gas-Bestellungen nicht ausgeliefert würden“, sagt Dirk Vilsmeier. Von daher sei der Vorwurf vermutlich nicht richtig. Die Verknappung bestehe am Ende vor allem eher darin, dass bei den hohen Preisen keiner richtig große Mengen nachbestellen will. „Und grundsätzlich gibt es, auch ohne ‚Nord-Stream 2‘, genügend Leitungskapazitäten, um mehr Erdgas zu liefern“, fügt er hinzu.

Tipps für Verbraucher
– Erst mal abwarten, sagt BR-Experte Dirk Vilsmeier. Das empfehlen unter anderem auch die Verbrauchzentralen. Hat der eigene Versorger beispielsweise im vergangenen Jahr viel Geld beim Gaseinkauf gespart, und nicht an die Kunden weitergegeben, brauche er dieses Jahr keinen großen Aufschlag. Ähnliches gelte für Strom.
– Die zweite Möglichkeit wäre – wenn der eigene Versorger zu teuer ist – zu einem günstigeren zu wechseln. Auch wenn gerade manche keine neuen Kunden mehr annehmen.
– Und das Dritte: „Wo möglich Energie sparen und, so man darauf Einfluss hat, über Dämmung oder eine neue Heizung nachzudenken.“ – BR

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