Mo. Jul 4th, 2022

Eichstätt (upd) – Am Donnerstag, 30. Juni, lädt das Zentrum Religion, Kirche, Gesellschaft im Wandel der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) unter dem Titel „Streicht dunkler die Geigen – Dichten in finsteren Zeiten“ zu einer musikalisch-poetischen Darbietung mit Buchvorstellung und Podiumsdiskussion über Transformation und Schöpfung in der Krise.

Der 1920 in Czernowitz (heute Teil der Ukraine) geborene Dichter Paul Celan (1920–1970) gehört nicht nur zu den weltweit bedeutendsten, sondern auch zu den meistübersetzten und -vertonten Lyrikerinnen und Lyrikern des 20. Jahrhunderts. Wie kaum ein anderer Text der Nachkriegszeit wird sein 1944 entstandenes Gedicht „Todesfuge“ über die nationalsozialistische Judenvernichtung, in dem er das Unsagbare in Sprache zu übertragen versucht, auch international wahrgenommen und rezipiert. Ali Moraly (*1979), syrischer Geiger, Komponist, Lehrer und Schriftsteller, ließ sich von Paul Celans Texten zu Vertonungen inspirieren. Er spielt an diesem Abend sein viersätziges Stück „Quatrain. Musik nach Paul Celans Gedicht Todesfuge“.

In der sich an die musikalische Darbietung anschließenden Podiumsdiskussion sprechen Friederike Reents (Germanistik), Martin Kirschner (Theologie) und Alexandra Tretakov (Germanistik/Slavistik) über die Rolle der Dichtung in finsteren Zeiten, diskutieren über Transformationsprozesse in und durch Sprache, durch Musik und andere Kunstformen sowie über politisch-theologische Dimensionen von Lyrik. Im Zuge dessen stellt Alexandra Tretakov ihre Monographie „Paul Celan in Russland. Rezeption – Übersetzung – Wirkung“ vor.

Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Foyer des Gebäudes Marktplatz 7, Eichstätt und wird gefördert durch die Eichstätter Universitätsgesellschaft.
Um Anmeldung wird bis 23. Juni per Mail an zrkg@ku.de gebeten.

Zur Person Ali Moraly
Nachdem der 1979 in Damaskus geborene und heute in Berlin lebende Künstler Syrien im Jahr 2012 verlassen musste, absolvierte Moraly ein Master-Studium im Fach Violine an der Musikhochschule in Karlsruhe, erhielt unter anderem Engagements von der documenta14 in Kassel, dem Theater in Oldenburg, der Hochschule für Kirchenmusik Tübingen und dem Tübinger BACH-Fest 2018 und war zwischen 2004 und 2006 Mitglied des West Eastern Divan Orchestra unter Leitung von Daniel Barenboim und Edward W. Said. – Constantin Schulte Strathaus, KU Eichstätt-Ingolstadt, Foto: Olaf Kosinsky

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