Di. Mai 17th, 2022

München – Ylenia fegt von Nordwest nach Ost durch Deutschland. Die Folgen: Sturmflut, Zug- und Flugausfälle. Auch in Bayern, das bisher eher glimpflich davonkam, mussten die Rettungsdienste hundertfach ausrücken. Bei Tausenden Haushalten fiel der Strom aus.

Anders als im Nordwesten Deutschlands haben die orkanartigen Böen des Sturmtiefs Ylenia in Bayern ihren Höhepunkt wohl noch nicht erreicht. Dennoch waren die Rettungskräfte vor allem in Teilen Frankens und in der Oberpfalz in der Nacht massiv gefordert. Immer wieder mussten umgestürzte Bäume und abgerissene Äste von Fahrbahnen entfernt werden – in den Landkreisen Bayreuth und Kulmbach gab es innerhalb einer halben Stunde 23 solche Einsätze. In München sind die S-Bahnstrecken S2 und S4 wegen Baumschäden gesperrt. Auch die Bahngleise zwischen Cadolzburg und Zirndorf im Landkreis Fürth sind blockiert, Züge aus Richtung Fürth Hauptbahnhof wenden vorzeitig in Zirndorf.

Tausende Stromausfälle – die meisten sind wieder behoben
Zudem hat Ylenia in tausenden bayerischen Haushalten den Strom ausfallen lassen. Alleine der größte Stromnetzbetreiber des Freistaats, Bayernwerk Netz, verzeichnete 10.000 Blackouts. Ursache seien auch hier Bäume, die auf Leitungen gestürzt sind. Wie lange es dauere, den Strom wiederherzustellen, hängt laut einem Sprecher von Bayernwerk Netz unter anderem davon ab, ob man die beschädigte Leitung durch veränderte Schaltungen im Netz umgehen könne. In den meisten Fällen sei die Versorgung aber wieder hergestellt.

Vorsichtsmaßnahme: Geschlossene Schulen, Skigebiete und Zoos
Wegen möglicher Gefahren auf dem Schulweg ist der Unterricht in vielen Regionen ausgefallen, vor allem in Oberfranken. Die Regelung gilt für die Stadt und den Landkreis Bayreuth, Stadt und Landkreis Coburg, Stadt und Landkreis Hof, die Landkreise Kronach, Kulmbach, Neustadt an der Waldnaab, Tirschenreuth, die Stadt Weiden in der Oberpfalz und den Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge. Wer trotz des Wetters einen Ausflug plant, sollte sich vorher informieren, ob das möglich und sinnvoll ist. So bleiben mehrere bayerische Skigebiete und Attraktionen wie der Baumwipfelpfad Neuschönau heute vorsorglich dicht. Die Bayerische Schlösserverwaltung teilt mit, dass einige Hof- und Schlossgärten vorsorglich geschlossen sind. Das gleiche gilt für die Zoos in Nürnberg und Augsburg. Auch der Besuch von Parks und Friedhöfen ist wegen fallender Äste heute eher nicht zu empfehlen.

Kein Bahn-Fernverkehr in Norddeutschland
Noch gravierender waren die Auswirkungen des Sturms in der Nacht und am Morgen im Norden Deutschlands. In Hamburg, Bremerhaven und an der Nordseeküste kämpfen die Menschen gegen Sturmfluten, im Harz herrscht Verkehrschaos. Im Fernverkehr der Bahn geht vielerorts nichts mehr, auch der Regionalverkehr macht Probleme.

Flugverkehr: In Bayern fast normal
In München kam es zum Ausfall von sieben Starts und sieben Landungen – das habe allerdings auch an den Wetterbedingungen an anderen Flughäfen gelegen, wie ein Sprecher sagte. Zum Großteil laufe der Betrieb normal. In Nürnberg musste aus Sicherheitsgründen kurzzeitig die Abfertigung auf dem Vorfeld eingestellt werden. Größere Beeinträchtigungen oder Verspätungen habe es dadurch aber nicht gegeben.

Die aktuelle Sturm-Lage in Bayern
Oberfranken: Zahlreiche umgestürzte Bäume haben am Morgen die oberfränkischen Feuerwehren beschäftigt. Die ILS Hochfranken zählte gegen 05:30 Uhr bereits bis zu 25 Einsätze. Bei Konradsreuth im Landkreis Hof wurden zwei Personen leicht verletzt, als ein Baum auf ein vorbeifahrendes Auto stürzte. Zudem seien Bauzäune und Baugerüste wegen des Sturms eingestürzt. Tauwetter und Regen haben in Bischofsgrün im Landkreis Bayreuth eine Straße unterspült.

In der Oberpfalz meldete die Polizei rund ein Dutzend Einsätzewegen umgestürzter Bäume oder weil Verkehrsschilder oder andere Gegenstände durch die Gegend flogen. In einem Fall wurde ein Pkw-Anhänger vom Wind umgeworfen. Zudem ereigneten sich im Landkreis Regensburg zwei Verkehrsunfälle, hier waren jeweils Autofahrer mit ihren Fahrzeugen mit umgestürzten Bäumen zusammengestoßen. Es wurde niemand verletzt.

Schwaben meldet einen umgeknickten Strommasten in Langerringen nahe Augsburg. Im Augsburger Stadtteil Pferrsee wehte der Wind eine zwölf Quadratmeter große Photovoltaik-Anlage vom Dach. Außerdem wurde dort eine gelbe Tonne auf ein parkendes Auto geweht. Insgesamt waren die Augsburger Polizeikräfte in der Nacht laut eigenen Schätzungen rund 15 Mal wegen des stürmischen Wetters im Einsatz.

In Oberbayern gingen beim Polizeipräsidium in Rosenheim, das für das gesamte südliche Oberbayern zuständig ist, bis zum frühen Morgen fünf sturmbedingte Anrufe ein – laut einem Sprecher „nix Dramatisches, vereinzelt Bäume auf kleineren Straßen“. Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord in Ingolstadt verzeichnete bis zum Morgen 20 Sturmeinsätze. In München wurden lediglich sechs kleinere Unwettereinsätze etwa durch umgeworfene Bauzäune gemeldet.

Für Niederbayern meldet das Polizeipräsidium aktuell rund ein Dutzend Einsätze, die mit dem Sturmtief Ylenia zusammenhängen. Herabgefallene Äste oder umgestürzte Bäume sorgten für Verkehrsbehinderungen. In Mainburg im Landkreis Kelheim fuhr ein Autofahrer in einen umgestürzten Baum. Der Mann blieb unverletzt.

Wetteraussichten: Es bleibt stürmisch
Der aktuelle Sturm Ylenia wird sich nach Erwartungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erst am späteren Donnerstagnachmittag abschwächen. Auch in den kommenden Tagen liege Deutschland im Einflussbereich einer kräftigen Nordwestströmung vom Atlantik her. Deshalb sei nach einer kurzen Verschnaufpause vor allem in der Nacht zum Samstag ein weiteres Sturmtief in ähnlicher Stärke zu erwarten. Ab Montag muss mit weiteren Sturmtiefs gerechnet werden. – BR

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