So. Mrz 3rd, 2024

Igel und Katzen brauchen unsere Hilfe

Neuburg – Der Herbst geht allmählich in den Winter über und der Tierschutzverein Neuburg-Schrobenhausen ist mit seinen Jahreszeit-spezifischen Aufgaben beschäftigt: Die Freigehege der Hunde winterfest machen, Laub wegfahren (jedes Jahr fallen auf dem Tierheimgelände bei Rennertshofen etwa 10 – 15 Tonnen Laub von den Bäumen) und schwache Igel versorgen. Herr Gerd Schmidt, der Vorsitzende des Tierschutzvereins Neuburg und zugleich der Leiter des Tierheims, hat mit uns einmal mehr über die Herausforderungen seines Metiers gesprochen – und uns zugleich erklärt, weshalb sein Tierschutzverein bundesweit von vielen anderen Tierschutzvereinen beneidet wird.

Die Igelpflege steht nun im Vordergrund – und lässt sich nur bewältigen, wenn alle mithelfen

Im Moment leben in der Zweigstelle des Tierheims in Ingolstadt etwa 30 Igel, die alle krank, verletzt oder sehr klein sind und individueller, sorgfältiger Pflege bedürfen. Das bedeutet jede Menge Arbeit für die beiden dort tätigen Tierpfleger, die zugleich auch auf dem Gelände wohnen.

„Leider verdienen Tierpfleger nicht so viel, dass sie sich eine Wohnung in Ingolstadt leisten könnten. Deshalb ist es sehr gut, dass wir unseren Mitarbeitern auf unserem Gelände zwei günstige Wohnungen zur Verfügung stellen können. So sind sie auch direkt vor Ort und haben keine Anfahrt“, so Gerd Schmidt.

Wenn sich viele Igel bereits im Winterschlaf befinden, so ist die Versorgung recht unkompliziert. Dann können auch mehr als 30 Igel gleichzeitig versorgt werden. Sind sie aber alle wach und höchst bedürftig, geraten die Pfleger schnell an ihre Grenzen. Alleine die Kotproben einzusammeln, um herauszufinden, wogegen jeder einzelne Igel geimpft und entwurmt werden muss, kostet viel Mühe und Zeit.

Igel sind bei vielen Tierschutzvereinen ein großes Thema, die stacheligen Tierchen haben es in den letzten Jahren nicht leicht, denn ihr Lebensraum wird immer kleiner, und sie sterben und erleiden Verletzungen nicht nur im städtischen Straßenverkehr, sondern auch in Gärten durch den Einsatz von Gartengeräten. Außerdem haben sie oftmals Probleme damit, Nahrung zu finden und sich genug Winterspeck für den Winterschlaf anzufressen.

Gerd Schmidt möchte die Allgemeinheit für die leidige Situation der Igel sensibilisieren: „Die ganze Problematik rund um Igel müsste sich auf viele Schultern verteilen. Wir Tierschutzvereine bekommen das alleine nicht hin. Eigentlich bräuchte ich pro Gemeinde einen bis zwei Ansprechpartner, die ich in dem Thema schulen kann und die dann die Bevölkerung vor Ort aufklären, zum Beispiel, wie sie ihren Garten gestalten sollen oder was Igel fressen. Das Leid der Igel wird von den Menschen gesehen, das freut mich. Wir bekommen häufig Anrufe von Menschen, die zum Beispiel junge Igel finden, die auf der Seite liegen. Sie sind dann auch oft bereit, die Igel herzubringen und später wieder mitzunehmen, um sie zum Beispiel in ihrem Garten auszusetzen. Aber es müssten noch mehr Leute einen Beitrag dazu leisten, die Arbeit der Igelpflege muss ja gemacht werden.“

Auch das Katzenproblem bedarf des Engagements der ganzen Gesellschaft

Das andere große Thema im Tierschutzverein sind die halbwilden und wilden Katzen, von welchen es im Landkreis Tausende gibt und die sich unkontrolliert vermehren, wenn man nicht aufpasst – was natürlich wieder Tierleid nach sich zieht. Eigentlich gibt es sogar eine Katzenschutzverordnung, und diese besagt: Die Bürgermeister der Kommunen müssten normalerweise feststellen, wo die Hotspots sind. Und dort müsste man die Tiere gezielt einfangen und kastrieren. „Doch dass man das wirklich so umsetzen kann, ist wohl unrealistisch“, bedauert Herr Schmidt. Allerdings hebt er auch einige Gemeinden positiv hervor, die das Katzenproblem wirklich gut im Griff haben, dazu zählen zum Beispiel Weichering, Karlskron und Karlshuld. Die Bürger sind hier informiert und gehen verantwortungsvoll mit dem Thema um, und die Tierärzte reduzieren sogar in diesen Fällen die Kosten für die Kastrationen. Herr Schmidt ist sich sicher, dass es auch was die Katzen angeht, nur mit vereinten Kräften geht: „Dieses Problem kann nur von allen gemeinsam gelöst werden: Bürgermeister, Tierschutzvereine und Tierärzte.“

Viele Tierheimhunde sind nicht vermittelbar

Über die Hundeproblematik haben wir nun schon mehrmals mit Herrn Schmidt gesprochen. Keineswegs hat das Tierheim zu viele Hunde. Das Problem liegt eher darin, dass die vorhandenen Hunde einen sehr hohen Pflegeaufwand verursachen und meist auch ihr Leben lang im Tierheim bleiben, denn sie sind kaum vermittelbar. Es handelt sich dabei um ganz spezielle, anspruchsvolle Hunde, die für einen unerfahrenen Hundehalter oder gar eine Familie mit Kindern nicht infrage kommen, zum Beispiel Jagdhunde oder Herdenschutzhunde. Die Versorgung dieser Hunde kostet viele Tausende von Euro.

Auch Hunde, die schon älter sind, wenn sie ins Tierheim kommen, haben keine ganz so guten Chancen darauf, vermittelt zu werden. Allerdings gibt es auch Tierfreunde, die sich ganz bewusst die älteren Hunde aussuchen, um ihnen noch ein paar letzte schöne Monate oder Jahre zu schenken.

„Ich freue mich immer, wenn ein alter Hund seine letzte Lebensphase nicht im Tierheim verbringen muss“, so Gerd Schmidt.

Ländliche Tierheime müssen weniger Tiere aufnehmen als Städtische

Jetzt, kurz vor Weihnachten, müsste der Tierschutzverein doch schon wieder befürchten, bald von Menschen überlaufen zu werden, die ihre zu Weihnachten geschenkt bekommenen Tiere wieder loswerden möchten, haben wir uns gedacht. Doch Gerd Schmidt verneint dies, damit habe man eigentlich keine größeren Probleme. Überhaupt sei die Situation für Haustiere in ländlichen Gebieten wie dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen etwas entspannter als in größeren Städten, es landen weniger von ihnen im Tierheim.

Grund dafür sind die Strukturen des Zusammenlebens: In der Stadt leben sehr viele alleinstehende Menschen in kleinen Wohnungen und haben keine näheren Kontakte zu ihren Nachbarn. Wenn so eine Person dann krank wird oder stirbt, ist das Haustier alleine und muss ins Tierheim. Auf dem Land leben meist mehrere Menschen verschiedener Generationen in größeren Häusern zusammen und auch der Kontakt zu den Nachbarn ist oft enger. Da bleibt das Tier in den meisten Fällen im Haus oder es findet sich jemand, der es zu sich nimmt.

Zum ersten Mal seit fünf Jahren wurden die Beiträge für die Gemeinden erhöht

Dass der Tierschutzverein seine Beiträge für die Gemeinde jüngst das erste Mal seit fünf Jahren erhöht hat, von 35 Cent auf 55 Cent pro Einwohner, hat bisher überwiegend positive Resonanz hervorgerufen, so Gerd Schmidt.

„Ich freue mich über die Unterstützung“, sagt er. „Aber mir ist auch wichtig zu sagen, dass wir wichtige und harte Arbeit leisten. Wir entlasten die Kommunen auf unterschiedliche Weise und helfen bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit. Wir kümmern uns um Fundtiere. Ebenso sind wir vor Ort, wenn ein Tierbesitzer verstorben ist und es darum geht, sein Haustier zu bergen. Wir gehören zu den ersten, die in die Wohnungen gehen, um die Haustiere rauszuholen. Meist sind dann die verstorbenen Menschen noch drinnen. Aufgaben wie diese verortet man meist gar nicht im Tierschutzverein, denn es sind Pflichtaufgaben der Kommunen. Aber wir als Tierschutzverein übernehmen sie.“

Viele Tierschutzvereine beneiden das Neuburger Tierheim

Noch etwas ist Herrn Schmidt ein wichtiges Anliegen: Mal auszusprechen, wie gut es um den Neuburg-Schrobenhausener Tierschutzverein eigentlich bestellt ist. Das Tierheim mit seinem riesigen Gelände praktisch mitten im Wald hat für die Tiere ganz entscheidende Vorteile: Die Hunde leben etwa nicht einzeln in kleinen Zwingern, sondern in Gruppen. Sie laufen frei auf einem großen Gelände, können sich bewegen und miteinander spielen, was natürlich eine ganz andere Lebensqualität ist. Außerdem haben die Tiere keinen Stress durch vorbeilaufende Passanten.

„Viele Tierheime in ganz Deutschland haben einen Aufnahmestopp verhängt und stehen finanziell vor dem Aus. Davon kann bei uns nicht die Rede sein. Viele Tierschutzvereine sind neidisch auf uns“, zeigt sich Herr Schmidt dankbar und erinnert sich gerne an den verstorbenen Landrat Dr. Richard Keßler, der den Tierschutzverein damals sehr intensiv dabei unterstützt hat, das Tierheim so tierfreundlich gestalten zu können. Auch der damalige Bürgermeister von Rennertshofen, Dr. Ernst Gebert, hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.

Die Herausforderungen sind also da, sie werden nicht weniger – egal ob es um Haustiere geht, oder um Wildtiere. Aber trotzdem ist es gut zu hören, dass es dem Tierschutzverein Neuburg gut geht. Wir wünschen weiterhin alles Gute und danken für das wichtige Engagement für die Tiere! – brennessel Magazin

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