Mi. Feb 8th, 2023

Umfrage: Bayerischer Mittelstand geht vorsichtig optimistisch ins neue Jahr

München – Fast zwei Drittel der bayerischen Mittelständler (64%) erwarten in den kommenden 12 Monaten eine Rezession. Energiekosten und Fachkräftemangel sind die großen Herausforderungen für 2023. Das zeigt die Regionalauswertung der aktuellen, bundesweiten Unternehmerumfrage 2023 des Bundesverbands Der Mittelstand.BVMW. An der Umfrage waren bundesweit rund 1.400 mittelständische Unternehmen beteiligt, in Bayern etwa 150.

Die aktuelle Finanzierungssituation des eigenen Unternehmens bewertet die Mehrheit des bayerischen Mittelstands zwar noch als befriedigend (37%), gut (33%) oder sehr gut (14%). Gesamtwirtschaftlich erwartet die große Mehrheit (72%) jedoch einen starken wirtschaftlichen Rückgang. Das deckt sich in etwa mit den bundesweiten Erwartungen des Mittelstands. Hier rechnen fast 80 Prozent mit einem wirtschaftlichen Abschwung in den kommenden zwölf Monaten.

Der Blick in die Zukunft ist bei vielen Mittelständlern in Bayern, zumindest was das eigene Unternehmen betrifft, vorsichtig optimistisch. 40 Prozent der Befragten erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine gleichbleibende Geschäftslage, immerhin knapp über ein Drittel (35%) eine günstigere Lage, während ein Viertel (24%) eine ungünstigere Geschäftslage erwartet. Eher zurückhaltend sind die Einschätzungen zum Investitionsvolumen. Fast drei Viertel der befragten Unternehmen (74%) gaben zwar an, ein gleichbleibendes oder steigendes Investitionsvolumen zu planen. Immerhin über ein Viertel (26%) plant jedoch, im Jahr 2023 weniger zu investieren.

Auch wenn viele Herausforderungen des vergangenen Jahres bewältigt werden konnten – 2023 ist für die bayerischen Unternehmen nicht die Zeit für große Investitionen oder Ausbau, sondern eher ein realistischer Versuch, das bisherige Niveau zu halten. Achim von Michel, Politikbeauftragter im BVMW Bayern betont: „Es brennt nicht, aber die Feuerlöscher stehen überall bereit. Noch ist nicht klar ersichtlich, wie sich die Lage weiterentwickelt. Bevor man wieder mit Optimismus auf Aufschwung hoffen kann, ist zunächst eine wirtschaftliche Erholung von den Krisen der letzten Jahre und ein neues, sicheres Fundament notwendig.“

Fachkräftemangel und Energiekosten bleiben zentrale Herausforderungen

Die Energiekosten stiegen im vergangenen Jahr in über der Hälfte der Unternehmen (53%) um 10 bis sogar 50 Prozent an. 11 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Bayern sehen sich von dieser Energiepreisexplosion gegenwärtig existenziell bedroht. Eine große Herausforderung bleibt weiterhin auch der Fachkräftemangel. Fast die Hälfte (49%) der befragten Unternehmen in Bayern will dieses Jahr die Beschäftigtenzahl steigern, allerdings findet über die Hälfte (51%) laut Angaben nur manchmal, 44 Prozent sogar gar keine geeigneten Fachkräfte für offene Positionen. Knapp zwei Drittel (63%) der Unternehmen gaben zudem an, nicht mit einer Besetzung aller freien Ausbildungsplätze zu rechnen.

Vom Staat erwarten die UnternehmerInnen, dass sowohl das Energieproblem als auch die fehlenden Fachkräfte klar in den Fokus rücken. Der schnelle Ausbau erneuerbarer Energien, die Anpassung des Merit-Order-Systems und eine Senkung der Stromsteuer gehören zu den konkreten Forderungen.

„Das Ziel muss eine verlässliche, bezahlbare und langfristige Energieversorgung sein. Die schnellere Anerkennung ausländischer Qualifikationen und Abschlüsse kann direkt zur Bewältigung des Fachkräfteproblems beitragen. Insgesamt muss der Mittelstand in diesem Jahr deutlich entlastet werden und in den Fokus politischer Entscheidungen rücken“, so von Michel.

Die gegenwärtige Ampel-Konstellation in Berlin kommt beim bayerischen Mittelstand insgesamt nicht gut an. Fast zwei Fünftel bewerteten sie sogar mit der Schulnote 5 (22%) oder 6 (16%). Sehr unzufrieden ist man der Umfrage nach zu urteilen mit der SPD. Bei der Sonntagsfrage erhält sie aus dem bayerischen Mittelstand aktuell nur 2,5%. Verhältnismäßig gut kommen Union (44%), FDP (18%) und Grüne (24%) weg. Klare Verlierer sind auch AfD (5%) und Linke (0.8%). – Bundesverband mittelständische Wirtschaft

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