Fr. Mai 20th, 2022

Neuburg – Geht es Ihnen auch so? Sie erledigen Ihren Wochenendeinkauf im Supermarkt und prüfen anschließend dreimal den Kassenbon in der Hoffnung, die Kassiererin könnte sich bei einer derart astronomischen Endsumme vertippt haben? Oder Sie schauen beim Vorbeifahren auf die Preistafeln der Tankstelle und bauen vor Schreck fast einen Unfall? Oder Sie verzichten im Baumarkt lieber auf die Holzbretter für ein Baumhaus für die Kinder oder überlegen, ob sie es doch bauen und anschließend alle dort einziehen sollten, da normales Wohnen, wenn man auch noch heizen möchte, zunehmend unbezahlbarer erscheint?

Habe ich übertrieben? Ja, zugegeben, ein bisschen. Doch leider nicht so sehr wie man sich das wünschen könnte; denn die offizielle Inflationsrate beträgt derzeit in Europa fünf Prozent, in den USA geht man sogar von einer Inflationsrate von sieben Prozent aus. Und wenn man bedenkt, dass der Preis eines so grundlegenden und nicht besonders luxuriösen Lebensmittels wie der Kartoffel im Vergleich zum Vorjahr aktuell um 43 Prozent höher liegt, kann man leicht zu dem Resultat kommen, dass es sich bei den fünf Prozent um eine geschönte Zahl handelt. Das Problem dabei ist, dass gerade die Dinge, die lebensnotwendig und damit unverzichtbar sind – wie frisches Obst und Gemüse, Baumaterialen, Heizöl und Benzin – besonders teuer geworden sind. Und vermutlich ist das nur der Anfang; denn es gibt so etwas wie eine Lohn- Preis-Spirale. Das heißt, wenn die Rohstoffe steigen, dann werden als Resultat davon bald auch die Preise von fertigen Industrieprodukten in die Höhe gehen, und irgendwann müssen die Löhne nach oben angepasst werden, da sich sonst niemand mehr irgendetwas kaufen kann. Doch die höheren Lohnkosten sorgen für einen erneuten Anstieg der Preise, und so landet man in einem perfekten Teufelskreis, der die Inflation immer stärker antreibt.

Als Ursache dafür werden die Coronakrise und die derzeitige Ukrainekrise genannt. Allerdings ist das Problem schon älter. Wenn man zur Ankurbelung der Wirtschaft- wie bereits seit Jahren – Geld wie Papier druckt und in den Umlauf bringt, dann ist es irgendwann eben auch nur noch das Papier wert. Es sollten eben hinter allem echte Werte stehen im Leben, nicht nur in der Wirtschaft übrigens.

Einige Finanzexperten zeigen nun mit dem Finger auf die Europäische Zentralbank, deren Aufgabe es eigentlich ist, die Inflationsrate auf 2 Prozent zu halten. Doch eine wichtige Maßnahme hierfür wäre eine Erhöhung des Leitzinses, und eine solche könnte europäische Schuldnerländer wie Spanien, Italien oder Griechenland in den Ruin treiben, was natürlich auch niemand möchte. Doch wer zahlt nun die Zeche? Vermutlich wir. Die Nullzinspolitik bei steigender Inflation lässt das Sparguthaben des kleinen Mannes schmelzen. Was also soll man mit seinen eisernen Reserven tun, wenn man denn welche hat? Immobilien kaufen? Nahezu unerschwinglich und möglicherweise eine Blase. Aktien? Derzeit ziemlich unsicher. Eventuell Gold? Bringt aber auch keine Zinsen. Vielleicht am besten, man gibt sein Geld einfach restlos aus – was bei den derzeitigen Preisen nicht allzu schwer fallen dürfte… – Christiane Maria Borrmann, brennessel Magazin

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