Do.. Dez. 11th, 2025

Neuburg – Die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend – kurz WILMA (Wohlbefinden, Interesse, Lobby, Mut, Aufmerksamkeit), hat ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Rund 85 Gäste aus Schulen, Jugendhilfe, Polizei, Verwaltung und Fachberatungsstellen aus den angrenzenden Landkreisen nahmen an der Veranstaltung im Landratsamt Neuburg teil und würdigten die wichtige Rolle der Beratungsstelle im Landkreis.

WILMA ist seit dem Jahr 2000 zentrale Anlaufstelle für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte im Bereich sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend. Die Arbeit reicht von Beratung und Stabilisierung bis hin zu umfangreicher Präventions- und Informationsarbeit an Schulen, Kitas und Fachstellen. Die Beratungsstelle ist mit zwei Standorten in Neuburg und Schrobenhausen vertreten und wird seit 2012 von Ina Wölfel geleitet, seit 2022 gemeinsam mit Gerda Reitberger.

Würdigung der langjährigen Zusammenarbeit
In ihren Grußworten betonten die stellv. Landrätin Rita Schmidt, Dr. Johannes Donhauser (Leiter des Gesundheitsamtes) und Manuela Rapp (Abteilungsleitung) die enge Kooperation zwischen WILMA, dem Gesundheitsamt, Kitas, Schulen und weiteren Institutionen. Dr. Donhauser hob besonders gemeinsame Projekte wie die bundesweite Präventionsinitiative „Trau Dich!“ und das Theaterprojekt „Grenzgefühle“ hervor, die durch die Zusammenarbeit in den Landkreis geholt werden konnten.

Rückblick auf 25 Jahre Fachstelle
Ina Wölfel zeichnete in ihrem Rückblick die Entwicklung der Fachstelle nach: Von der Gründungsphase über die Leitung durch Karin Friedel und Rita Sperber-Nusch bis zur heutigen, personell erweiterten Struktur. Sie betonte, dass die Nachfrage in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sei und WILMA sich zu einem festen Bestandteil der psychosozialen Versorgungslandschaft im Landkreis entwickelt habe.

Fachprogramm mit starken Impulsen
Das Jubiläum bot ein breit gefächertes Fachprogramm:

Lifetime-Geschichte
Fünf Mitarbeiterinnen der Fachberatungsstelle Wirbelwind e.V. aus Ingolstadt unterstützten die Kolleginnen von WILMA sogar mit der Lebensgeschichte einer Betroffenen, die mit 12 Jahren an Missbrauch durch den Stiefvater erinnert. Anhand verschiedener Lebensetappen, wurden die Anwesenden Fachkräfte gefragt, was sie sich wohl als 17, 25, 45, 60 –Jährige, am meisten gewünscht hätte, was ihr Angst gemacht hat und was das schwierigste für sie war.

Vortrag: „Bindungstraumatisierung als Risiko“
Dipl.-Psych. Ingrid Wild-Lüffe erläuterte, wie belastende Erfahrungen die emotionale Entwicklung von Kindern prägen können. Ihr Vortrag gab den zahlreichen Fachkräften wertvolle Einblicke in Risiko- und Schutzfaktoren und zeigte Möglichkeiten auf, frühzeitig zu unterstützen.

Präventionstheater „Fühl mal“
Als besonders eindrucksvoll beschrieben viele Gäste das Präventionstheater „Fühl mal“ von Judith Gleixner und Anita Kinscher aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach. Das 45-minütige Stück erzählt die Geschichte des Schulkindes Mola, das seinem eigenen „Bauchgefühl“ begegnet – dargestellt als humorvolle, lebendige Theaterfigur. Auf spielerische Weise lernen die Zuschauerinnen und Zuschauer, wie wichtig es ist, Gefühle wahrzunehmen, ernst zu nehmen und eigene Grenzen zu erkennen und sich Hilfe zu holen. Das Stück wurde von den anwesenden Fachkräften als hervorragendes Beispiel für gelungene Präventionsarbeit beschrieben: sensibel, kindgerecht und dennoch klar in seiner Botschaft.

Workshop: „Verwicklung und Verwirrung – Scham und Schuld“
Der Workshop von Ingrid Wild-Lüffe war vollständig ausgebucht. Die Teilnehmenden setzten sich mit den komplexen inneren Konflikten auseinander, die bei betroffenen Kindern entstehen können, und erarbeiteten praxisnahe Unterstützungsansätze.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Blockflötistin Mina Voet aus Schrobenhausen, die mit ihrer gelungenen Stückauswahl die vielseitige Gefühlswelt der Kinder darstellte und der es immer wieder gelang die Schwere des Themas mit zu tragen.

Ein gelungenes Jubiläum mit deutlichem Signal
Zum Abschluss betonten die Organisatorinnen Gerda Reitberger und Ina Wölfel, wie wichtig die Vernetzung im Landkreis ist – und wie viel Engagement, Mut und Fachwissen in der täglichen Arbeit stecken. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie breit die Präventionslandschaft im Landkreis aufgestellt ist und wie sehr das Thema in Schulen, Behörden und Institutionen verankert wurde.

Bildunterschrift „Bauchgefühl strahlt“:
Das 45-minütige Stück „Fühl mal“ erzählt als Teil des Fachprogramms die Geschichte des Schulkindes Mola (links, Anita Kinscher), das seinem eigenen „Bauchgefühl“ (rechts, Judith Gleixner) begegnet – dargestellt als humorvolle, lebendige Theaterfigur.

Bildunterschrift „Vortrag Frau Wild-Lüffe“: Dipl.-Psych. Ingrid Wild-Lüffe erläuterte, wie belastende Erfahrungen die emotionale Entwicklung von Kindern prägen können. Bilder: Landratsamt Neuburg, Faller

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