Gianni Infantino steht erneut unter Druck. Kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft wird sichtbar, wie brüchig die Kontrolle der FIFA über ihr eigenes Turnier geworden ist.
Am Samstag verweigerten die US‑Behörden dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan die Einreise in Miami – obwohl er offiziell von der FIFA nominiert wurde und als erster Referee seines Landes überhaupt bei einer WM pfeifen sollte. Doch Somalia steht weiterhin auf der von Präsident Trump eingeführten Einreiseverbotsliste, und die Grenzbehörde CBP machte davon kompromisslos Gebrauch.
Der Vorfall fällt in eine Phase, in der die FIFA eigentlich Stabilität demonstrieren müsste. Am Donnerstag eröffnen Mexiko und Südafrika die WM in den USA, Mexiko und Kanada – das größte Turnier, das der Verband je organisiert hat. 48 Teams, 104 Spiele, Milliardenumsätze. Doch statt sportlicher Vorfreude dominieren politische Spannungen und organisatorische Fehlkalkulationen.
Der Fall Artan zeigt exemplarisch, wie fahrlässig die FIFA geopolitische Realitäten ignoriert hat. Während der Verband sich als globaler Machtfaktor inszeniert, wird er auf der Zielgeraden zum Statisten nationaler Behörden. Die WM, die als Triumph der Expansion geplant war, droht zum Sinnbild eines Verbandes zu werden, der seine eigenen Rahmenbedingungen nicht mehr beherrscht. – CD, brennessel
