Mi. Mai 25th, 2022

Das Brennessel-Magazin im Gespräch mit Frau Patel

Neuburg – Als erstes möchten wir wissen, was Frau Patel nach Neuburg verschlagen hat und wie lange sie bereits hier lebt. Das sind mittlerweile bereits 35 Jahre. Frau Patel kam mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann 1986, im Jahr von Tschernobyl, nach Neuburg. Die Entscheidung dazu hing an einem Kilometer, da Dr.Patel nicht weiter als 20 Kilometer vom Klinikum, in dem er als Arzt praktizierte, entfernt leben wollte.
Die Distanz zwischen Neuburg und der Ingolstädter Klinik betrug 19 Kilometer und war somit noch haarscharf akzeptabel. Ihr schönes Zuhause in Schloss Grünau, das einen Anreiz zu dem Umzug von Etting nach Neuburg gegeben hat, verdankten sie übrigens dem ärztlichen Können von Dr.Patel, der sehr erfolgreich das schwer nierenkranke Enkelkind des dortigen Oberförsters behandelt hatte. Frau Patel genoss die Stille und Ruhe von Neuburg. Unterbrochen wurde diese durch regelmäßige Reisen nach Indien, sowie Signierreisen nach Buchprojekten. Und dann kam noch ein anderes zündendes Projekt hinzu, nämlich die Hutschau.

Bereits ihre Großmutter und auch ihre Mutter trugen selbstverständlich Hüte, weiß Frau Patel zu berichten. Und sie selbst als junge Frau ebenso. Einen weiteren wichtigen Impuls zur Hutschau gab der Besuch einer Messe in Frankfurt, wo Frau Patel mehrere Hüte kaufte und auf eine begabte Modistin stieß. Als sie wenig später erfuhr, dass die Modistin, wie so viele aus ihrer Branche, nicht mehr vom Hutmachen leben konnte, erwachte das Florence Nightingale Syndrom bei Frau Patel. Sie entschloss sich, Frauen wieder mit Hüten schön zu machen und damit gleichzeitig das Hutgewerbe zu unterstützen. In guter geistiger Gesellschaft mit Karl Lagerfeld, der der Jogginghose den Kampf angesagt hatte, wollte Frau Patel der Jeans- und T-Shirt Kultur die Eleganz des Huttragens entgegensetzen.

Die SPD-Politikerin Renate Schmidt war die 1.Schirmherrin der ins Leben gerufenen Hutschau. Sie kam nach Neuburg und ging sogar auf den Laufsteg, obwohl sie, wie sie witzigerweise von sich sagte, Hüte eigentlich nicht leiden kann. Viele Zuschauer stellten jedoch fest, dass sie Hüte sehr gut leiden können. Die Hutschau, die von Frau Patel zehn Jahre lang selbst finanziert wurde, fand immer mehr Freunde und brachte bald internationales Publikum bis aus New York nach Neuburg. Als die Hutschau immer mehr wuchs, fand sie auch die finanzielle Unterstützung der Stadt Neuburg. Sie wurde neben dem Töpfermarkt, den Barockkonzerten, der Kammeroper und der verkaufsoffenen Nacht zu einem Markenzeichen der Stadt. Leider nimmt Frau Patel dieses Jahr ihren Hut und geht mit ihrer nächsten Schau nach Ingolstadt.

Neuburg ist einfach etwas zu klein geworden für das Projekt, vor allem wird der Platz im Neuburger Schloss aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Bauarbeiten nicht ausreichen. Ein Umstand, den Frau Patel leider erst recht spät erfuhr. Doch glücklicherweise bietet das Schloss in Ingolstadt ausreichend räumliche Möglichkeiten, selbst Oldtimer sollen dort mit ausgestellt werden, nicht unwahrscheinlich, dass Audi mit in diese Pläne einsteigt. Ein mutiges und vielversprechendes Vorhaben also, zu dem wir Frau Patel viel Glück wünschen. In diesem Sinne: Chapeau! – Christiane Maria Borrmann

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