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Philosophieprofessor Schweidler verabschiedetEichstätt, 21. Juli 2023 (upd) – Mit seiner Berufung auf den Lehrstuhl für Philosophie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) kehrte Prof. Dr. Walter Schweidler 2009 an seinen ersten Studienort zurück. Nun hat er seine Abschiedsvorlesung gehalten. Philosophie war von Anfang an der Kern seines Studiums. Darüber hinaus befasste er sich mit Rechtswissenschaft (1. Staatsexamen), Politik und Katholischer Theologie. Er arbeitete als wissenschaftlicher Assistent bei Professor Robert Spaemann und habilitierte sich zum Thema Menschenrechte. Vor seiner Berufung an die KU war er langjähriger Lehrstuhlinhaber an der Universität Bochum. „Die Philosophie hält das fest, was ein Leben sinnvoll macht und woran kein Mensch vorbeikann“, merkte Schweidler einmal an.

Als Dekan der Philosophisch-Pädagogischen Fakultät würdigte Prof. Dr. Marco Steinhauser die bedeutende Rolle Schweidlers und seines Lehrstuhls, der zugleich namensgebend für die Fakultät sei und deren geisteswissenschaftliche Wurzel berühre. Steinhauser betonte, dass Schweidler bereits vor seiner Berufung eine erfolgreiche Karriere habe vorweisen können. Viele seiner Werke seien sogar ins Chinesische und Japanische übertragen worden.

Einen „freundschaftlichen Gruß“ überbrachte per Videobotschaft Prof. Dr. Ludger Kühnhardt, Leiter des Zentrums für Europäische Integrationsforschung der Universität Bonn. Beide verbinde – wie Kühnhardt schilderte – eine jahrzehntelange persönliche und intellektuelle Freundschaft, die bei einer Tagung an der KU im Jahr 1991 begonnen habe. Kühnhardt gratulierte der KU dazu, dass „sie diesen Großmeister der Philosophie an sich hat binden können“. Dabei sei die Symbiose von Schweidler und Eichstätt niemals zum Inbegriff eines vom Zeitgeist entrückten Idylls geworden. „Walter Schweidler ist ein Suchender, der sich nie zufriedengibt mit dem soeben Fertigen und nur scheinbar Vollendeten“, so Kühnhardt. Er verwerfe den Wahrheitsbegriff der bloßen Annäherung, wie er für den modernen Pluralismus typisch sei. Beruf und Berufung seien in ihm wahrhaft verschmolzen.

In seiner Abschiedsvorlesung unter dem Titel „Macht und Geist“ reflektierte Schweidler die an die Philosophie gestellten Erwartungen. „Philosophie ist Liebe zur Weisheit und nicht selbst Weisheit – und also auch nicht ein Rezept zu deren Erreichung. Die Philosophie kann niemanden zur Weisheit führen, nicht weil sie praxisuntauglich wäre oder Sonntagsreden verzapfte, sondern weil der Weise, um den es in ihr geht, schon da ist und sie, wäre er es nicht, auch niemandem ein Rezept ausstellen könnte, um sein Ziel zu erreichen“, so Schweidler. Das Philosophieren sei das Zeugnis der Liebe zu dem in uns, der diese Suche hinter sich habe, für immer. Der blinde Fleck im Bild unserer Welterkenntnis lasse Raum für den Glauben an einen Träger geistiger Macht, in dem die göttliche mit unserer menschlichen Natur in einzigartiger Weise verbunden worden sei. – Constantin Schulte Strathaus, KU Eichstätt-Ingolstadt

 

Bildinformation „Schweidler1“: Prof. Dr. Walter Schweidler während seiner Abschiedsvorlesung an der KU. (Fotos: Schulte Strathaus/upd)

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