Fr. Mrz 5th, 2021

Neuer Niedrigwasserbericht für 2018 und 2019 vorgelegt
München – Steigende Temperaturen in Bayern und zu wenig Niederschlag: Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Niedrigwasser-Bericht für die Jahre 2018 und 2019. Auch in Bayern gewinnt das Thema Wasserversorgung damit weiter an Bedeutung.

Darauf wies Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber heute in München hin: „Die Wasserversorgung Bayerns ist einer unserer großen Schwerpunkte 2021. Die Wasserversorgung sicherzustellen ist eine der größten und aktuellsten Herausforderungen des Klimawandels. Bei höheren Temperaturen und weniger Regen hat ein sorgsamer Umgang mit der Ressource Wasser oberste Priorität. Der aktuell vorliegende Bericht zeigt das einmal mehr. Die zurückliegenden Jahre waren ein Stresstest für die Wasserversorgung. Wir müssen weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Vorsorge und Optimierung ergreifen. Dazu haben wir das Programm ‚Wasserzukunft Bayern 2050‘ aufgelegt. Das Programm ‚Wasserzukunft Bayern 2050‘ nimmt die Trink- und Brauchwasserversorgung des Freistaats umfassend in den Blick. Ziel ist eine gesicherte Wasserversorgung in ganz Bayern auch in Zukunft. Die Trinkwasserversorgung muss dabei in kommunalen Händen bleiben.“

Im Rahmen des Programms ‚Wasserzukunft Bayern 2050‘ werden in den kommenden Jahren in den fünf Säulen Wasser speichern, Wasser verteilen, Wasser schützen, Wasser schätzen und Wasser gesamtstaatlich denken eine Vielzahl von konkreten Projekten gestartet. Diese reichen von einer neuen Speicherstudie für Wasserspeicher über Zukunftskonzepte zur Wasserversorgung vor Ort und der Fernwasserversorgung bis hin zu intelligenten Bewässerungsprojekten in der Landwirtschaft und der Umsetzung von Gewässerrandstreifen. Zusätzlich wird sich das Umweltministerium für ein Nationales Gewässerschutzprogramm einsetzen. Zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung werden aktuell bereits die regionalen Wasserversorgungsbilanzen mit Hilfe von 5 Millionen Euro aktualisiert und Verbundleitungen gefördert – dabei geht es um rund 300 Kilometer Verbundleitungen mit einem Fördervolumen von mehr als 35 Millionen Euro. „Mit dem Programm ‚Wasserzukunft Bayern 2050‘ sind wir auf dem richtigen Weg. 2021 wird das Thema Wasser ein herausragender Schwerpunkt unserer Arbeit sein. Der Niedrigwasser-Bericht zeigt, warum“, so Glauber.

In seinem aktuellen Niedrigwasser-Bericht analysiert das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) die Auswirkungen der beiden Niedrigwasserjahre 2018 und 2019 auf die Wasserstände in Fließgewässern, Seen, Talsperren und Quellschüttungen. Auch die Entwicklung von Bodenwassergehalten und Grundwasserständen werden in dem Monitoring-Bericht dokumentiert. Wesentliche Ergebnisse des Berichts sind:

– 2018 war das wärmste Jahr der 139-jährigen Beobachtungsreihe mit einer Jahresmitteltemperatur von 9,9 Grad Celsius. Im langjährigen Vergleich ist das Jahr 2019 das neunte zu warme Jahr in Folge.
– 2018 und 2019 fallen gleichzeitig zu trocken aus. Das Jahr 2018 weist einen Jahresniederschlag von 757 Millimetern auf (rund 20 Prozent weniger als im langjährigen Mittel der Jahre 1971-2000), das Jahr 2019 von 860 Millimetern (rund 9 Prozent weniger). Seit 2011 fielen damit mit Ausnahme des Jahres 2017 alle übrigen acht Jahre zu trocken aus.
– Die Sonnenstunden nahmen im Gegenzug zu. Das Jahr 2018 liegt mit 2.026 Sonnenstunden nur knapp hinter dem Rekordjahr 2003. Im Jahr 2019 gab es 1.905 Sonnenstunden, das entspricht Rang fünf in dieser 69-jährigen Beobachtungsreihe.
– Die Konsequenzen für den Wasserhaushalt in Bayern waren vielfältig: Die langanhaltenden sommerlichen Temperaturen bewirkten eine Austrocknung der Böden. Gleichzeitig wurden bei zahlreichen Temperaturmessstellen an den Flüssen in den Jahren 2018 und 2019 neu Höchstwerte bei der Wassertemperatur verzeichnet. Der Jahreshöchstwert wurde im Jahr 2018 mit 30,8 Grad Celsius am Pegel Straubing/Donau gemessen. Der Alarmplan Gewässerökologie Main, der kritische Zustände der Gewässerqualität aufzeigt, hatte 2018 seine Bewährungsprobe.
– Auch die Wassertemperatur in den Seen hat zugenommen. In den Jahren 2018 und 2019 wurde an über der Hälfte der Temperaturmessstellen an Seen in Bayern ein neuer Höchstwert erreicht. Der Jahreshöchstwert wurde hier 2019 mit 30,2 Grad Celsius am Pegel Buchwinkel/Waginger See gemessen
– 2018 war eines der abflussärmsten Jahre seit Beobachtungsbeginn für Fließgewässer in einem Streifen vom Allgäu bis nach Niederbayern und in den östlichen Mittelgebirgslagen. 2019 waren vor allem Teile Frankens, die nördliche Oberpfalz und das südliche Bayern von Niedrigwasser betroffen.
– Auch viele Seen wiesen 2018 niedrige Wasserstände auf. Am Starnberger See wurde beispielsweise mit minus 40 Zentimetern zum mittleren Wasserstand einer der niedrigsten Wasserstände in der Messreihe seit 1908 gemessen.
– An rund jeder zweiten Grundwasser-Messstelle wurde entweder 2018 oder 2019 ein neuer Niedrigstwert seit 2000 beobachtet. Auch die Grundwasserneubildung ging weiter deutlich zurück.
– Die Trinkwasserversorgung war 2018 und 2019 stabil mit einzelnen lokal und temporär begrenzten Ausnahmen. Die Trinkwassertalsperren Mauthaus und Frauenau konnten in den beiden Jahren die Rohwasserabgabe für die Trinkwasserversorgung in vollem Umfang sicherstellen. Insgesamt werden in Bayern rund 90 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen. Dazu werden knapp 3.000 Wassergewinnungsanlagen genutzt.
Der Bericht „Niedrigwasser 2018 und 2019 – Analysen und Auswirkungen für Bayern“ ist im Internet abrufbar unter www.stmuv.bayern.de/niedrigwasser.htmBayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

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