Do. Mrz 4th, 2021

Eichstätt – Neuburg – Schrobenhausen und wieder zurück!

Noch nicht lange ist her, als OB Gmehling anlässlich des Neujahrsempfangs in Neuburg von der Wachstumsbranche Touristik sprach. Ebenso ist es noch nicht lange her, dass die Uni Eichstätt einen Tourismuslehrstuhl in ihrer Fakultät installierte. Schrobenhausen begeht zudem den 100. Todestag von Franz Lenbach, dessen Geburtshaus in der Lenbachstadt steht. Auch das Donaumoos schläft nicht und stellt Monat für Monat neue Projekte und Ideen in der Umweltbildungsstätte Haus im Moos vor. Nimmt man alls die Bemühungen um den Tourismus zusammen, steht man vor einem geballten Machwerk. Jedoch wird jedes nur einzeln für sich beworben. brennessel Magazinrecherchierte umfangreich…

In Eichstätt
standen uns OB Arnulf Neumeyer und Hans Bittl, geschäftsleitender Beamter der Stadt Eichstätt, Rede und Antwort:

“Der Tourismus ist in Eichstätt ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor! Wir investieren jährlich 360.000 Euro in den Fremdenverkehr und betreiben eine gut ausgestattete Touristen-Information. In erster Linie kommen Tagestouristen nach Eichstätt; im Schnitt entfallen auf einen Besucher 2,1 – 2,2 Übernachtungen. D.h. für uns, wir haben zu wenig Übernachtungsgäste… Andere Ortschaften wie z.B. Beilngries können sich über das dreifache Übernachtungsaufkommen freuen. Dieser Sektor ist also absolut ausbaufähig! Dies bedingt aber, dass wir die Erholungsregion Eichstätt noch attraktiver gestalten und bestehende Erholungsmöglichkeiten auch dementsprechend präsentieren. Zum Beispiel erschlossen wir mit einem privaten Betreiber gemeinsam einen Zeltplatz, u.a. auch für Wohnmobile, direkt an der Altmühl, und leisten Öffentlichkeitsarbeit, z.B. in der Zeitschrift Pro-Mobil.

In der gegenseitigen Mitbewerbung anderer Kommunen, insbesondere Neuburg an der Donau, sehen wir keinerlei Konkurrenz. Es wäre wünschenswert, wenn die Attraktionen von benachbarten Gebieten in den gesamten Naturpark mit einlaufen. Schließlich möchte der Besucher eine reichhaltige Auswahl an Freizeit- und Kulturmöglichkeiten vorfinden. Die Kooperation mit anderen Kommunen könnte ein richtiger Schritt sein, die Übernachtungszahlen in Eichstätt zu steigern, ..und umgekehrt. Die Anregung von brennessel-Magazin, einen regen Austausch an Info-Materialien zwischen den Kommunen zu betreiben, ist nicht nur wünschenswert, sondern wird nun auch sukzessive umgesetzt!

Eine solche Zusammenarbeit beruht aber auf Gegenseitigkeit und muss sich auf bestimmte Anlässe focussieren. Sprich’, die Spargelzeit in Schrobenhausen, das Schlossfest, der Jedermann, die Landesausstellung, das Stadtfest Eichstätt – das sind bewerbbare und gewachsene Veranstaltungen, die jedem Touristen, wo auch immer er sich aufhält, ein Wohlgefühl suggerieren und einen bleibenden Eindruck von unserer Region vermitteln. Denn bei einem sind wir uns wohl alle einig, nur ein zufriedener und begeisterter Tourist wird auch Mund-zu-Mund-Propaganda für die gesamte Touristenregion machen…”

Lars Bender, Leiter der Tourist-Information Eichstätt, erarbeitete ein Tourismuskonzept, das auf die zukünftigen Aufgabenstellungen und den IST-Stand der Touristik in Eichstätt bezug nimmt:

“Für eine positive Tourismusentwicklung in Eichstätt gilt es, eine Verbindung zu dem Naturpark Altmühltal herzustellen. Natürlich ist Eichstätt durch seine Universität, den Bischofssitz und der barocken Altstadt überregional bekannt, wird aber oftmals nicht vordergründig mit dem Naturpark in Verbindung gebracht. Hier muss kontinuierlich eine Verbindung hergestellt werden. Aus diesem Grund haben wir auf dem neuen Tourismus-Prospekt den Slogan ‘Eichstätt – die vielschichtige Altmühlstadt’ kreiert und werden diesen marketings spezifisch verwerten.

Diese Diversifizierung suggeriert dem Besucher ein umfangreicheres Programm, denn schließlich hat Eichstätt bei weitem mehr zu bieten als nur Barock… Im Übrigen inkludiert der neue Prospekt u.a. auch einen Magazinteil, der die verschiedenen Vorzüge unserer Stadt darstellt. In dem erarbeiteten Tourismuskonzept geht es in erster Linie um die Darstellung der fünf Standbeine des zukünftigen Tourismus in Eichstätt, die da wären: Naturpark Altmühltal, Fahrradfahren, Wandern und Natur erfahren, Fossilien-Stein-Marmor, Barock- und Bischofstadt. Für Eichstätts Zukunft kann es nur darum gehen eine Produktbündelung vorzunehmen, um den Besucher die Vielfalt dieser Region aufzuzeigen. Zum Beispiel regten wir im letzten Jahr eine Historienfahrt mit dem Bus an.

Es geht hier um eine Tour-die-Epochen mit den Zielorten Berching (Mittelalter), Weißenburg (Römer), Neuburg (Renaissance) und Eichstätt (Barock). Leider bekamen wir diesbezüglich noch nicht von jeder Kommune grünes Licht, z.B. hörten wir noch nichts aus Neuburg… Die angesprochene Regionalisierung des Tourismus, die die Bewerbung einer größeren Region zur Folge hätte, ist bereits in ersten Schritten im Gange. Auch Ingolstadt hat in seinen neuen Broschüren erste Schritte unternommen und bewirbt benachbarte Sehenswürdigkeiten. Solche Umsetzungen setzen aber komplementäres Denken voraus und nicht, wie schon oft erlebt, Konkurrenzverhalten.

Abschließend möchte ich noch auf einige Events aufmerksam machen, die mit Eichstätt direkt in Bezug stehen. Der Altmühltal-Radweg feiert sein 25jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass findet ein MTB-Rennen rund um die Willibaldsburg statt, das vom PSV Eichstätt organisiert wird. Interessant wird bestimmt auch das MTB-Kid-Race rund um die UNI – beide Events laufen unter dem Slogan ‘fahr Rad in Eichstätt’ am 22. und 23. Mai. Ein weiteres Highlight werden die Internationalen Wandertage, die zum 34. Mal ausgetragen werden. Informationen zu den angesprochenen Veranstaltungen findet der Interessierte natürlich im neuen Eichstätter Prospekt und im Altmühlnet.”

In Neuburg
ließ uns OB Bernhard Gmehling ein Grußwort zum Thema Tourismus zukommen:

“Die Große Kreisstadt Neuburg an der Donau ist, wie einem in der Oberen Altstadt eindrucksvoll vor Augen geführt wird, eine historische Stadt. Als eine der ältesten Städte Bayerns hat Neuburg eine wechselvolle Geschichte erlebt, in der erste Besiedlungen bereits zu Beginn der letzten Eiszeit dokumentiert werden können. Ihre Blütezeit erlebte Neuburg als Hauptstadt des Fürstentums Junge Pfalz (1505 – 1808) zu Zeiten des Pfalzgrafen Ottheinrich. Eindrucksvolles Zeugnis dieser Zeit ist unsere wunderbare Obere Altstadt, deren historische Denkmäler weitgehend erhalten blieben und heute eines der schönsten und monumentalsten Altstadtensembles Bayerns darstellt.

Darüber hinaus lockt unsere Stadt ihre Besucher mit den verschiedensten Festivitäten, europaweit einzigartigen Veranstaltungen, einer lebendigen Innenstadt und mit idyllischen Naturerlebnissen entlang unserer Lebensader, der Donau. Alle Neuburgerinnen und Neuburger dürfen in dieser Hinsicht durchaus selbstbewusst sein, vor allem auch deshalb, weil wir mittlerweile knapp 50.000 Übernachtungen und damit eine Verdopplung innerhalb der letzten zehn Jahre verzeichnen dürfen, von den zahlreichen Tagestouristen ganz abgesehen.

2005 wird ein ganz besonderes Jahr. Wir feiern das 500-jährige Bestehen der Pfalz Neuburg und haben mit der Landesausstellung ein wahres Veranstaltungshighlight in unserer Stadt. Die Altarbilder, die Peter Paul Rubens für Neuburg gemalt hat, werden in der flämischen Galerie im Schloss zu sehen sein.

Neuburg an der Donau ist mein Urlaubs-Geheimtipp, meinte Finanzminister Prof. Dr. Kurt Faltlhauser im vergangenen Jahr. Die Ottheinrichstadt zu einem echten Ferienziel zu machen, ist das Bestreben und die Aufgabenstellung für den Stadtrat und mich als Oberbürgermeister. Es ist schön zu wissen, dass uns dabei alle Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Idee der sog. Tourismusachse Eichstätt-Neuburg-Schrobenhausen, die vom Magazin brennessel Magazin entwickelt wurde, finde ich hervorragend und auch unterstützenswert, denn gemeinsam mit unseren befreundeten Nachbarstädten sind wir noch schlagkräftiger und damit auch erfolgreicher.”

Über den Tourismus für den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen äußerte sich u.a. Ulli Koch, Sachbearbeiter für Tourismus:
“Mein Zuständigkeitsbereich umfasst die tourismusspezifische Bewerbung des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen im überregionalen Wettbewerb. Diesbezüglich bin ich auf den einschlägigen Messen präsent und stelle die Vorzüge unseres Landkreises dar. Dieses Unterfangen stellt sich häufig als schwierig dar, da einige Anstrengungen bezüglich der Standortbewerbung schon vor vielen Jahren ‘verschlafen’ worden sind. So ist z.B. der Naturpark Altmühltal zusammen mit Eichstätt ein Markenbegriff, der Tourismusstandort Neuburg weitreichend unbekannt.
Hier wurden Investitionen gescheut… Zum Beispiel ist die Donau durchaus ein Anziehungspunkt, wird jedoch mit Neuburg in keinster Weise in Verbindung gebracht. Die Landesausstellung in Neuburg oder die Verknüpfung mit dem Naturpark Altmühltal kann helfen, diesen Abstand zu korrigieren und Neuburg bekannter zu machen. Solche Anstrengungen sind aber nicht alleine von der Kommune oder dem Landratsamt zu bewältigen, sondern erfordern Pionier Verhalten auch des heimischen Gewerbes, insbesondere der Gastronomie! “

In Schrobenhausen
nahmen Bürgermeister Josef Plöckl und Manfred Edlmann Stellung zum Thema Tourismus:

“Für Schrobenhausen ist 2004 ein besonderes Jahr. Lange ist’s her, dass die Lenbachstadt ihren Namensvater feiern konnte. Zuletzt 1986 zum 150. Geburtstag oder 1979, zum 75. Todestag. Dieses Mal geht es um den 100. Todestag und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Zum 100. Todestag präsentieren wir im Museum im Pflegschloss eine Sonderausstellung vom 4. April bis 13. Juni 2004. Zu diesem Anlass haben wir schon vor Jahren begonnen, das Geburtshaus Lenbachs zu sanieren.

Dies wurde u.a. durch das Zutun des Lenbach-Enkels, Neven DuMont, Verleger aus Köln, möglich. Im Augenblick steht die Innensanierung an, die kontinuierlich bis zum Ausstellungsbeginn im April gut voranschreitet. Ich möchte dies u.a. betonen, da wir im Gegensatz zur Landeshauptstadt München, Sorge für unser Kulturgut um Lenbach tragen, denn die Lenbach-Villa in München, in der Franz Lenbach verstarb, ist in einem weitaus schlechteren Zustand. Der Grund hierfür liegt wohl in der Knappheit der Mittel… Mitten hinein in die Kulturfeierlichkeiten um Lenbach fällt die Eröffnung der Spargelsaison. In diesem Jahr wird das Prozedere feierlich auf dem Viktualienmarkt in München vorgenommen. Ausrichter hierfür wird die Stadt Schrobenhausen und der Spargelerzeuger-Verband Südbayern sein – für Schrobenhausen natürlich eine optimale Werbeplattform…

Eigens zu diesem Anlass wird ein Bifang (Anbau-Erdhügel für Spargel) auf den Marktplatz nach München verfrachtet, um Landwirtschaftsminister Josef Miller beste Voraussetzungen zum Spargelstechen zu verschaffen. Tourismus ist bei diesen Gewerken natürlich das Schlagwort. Der sogenannte ‘sanfte Tourismus’ soll bei uns nicht zu sanft werden, sondern eher eine Belebung erfahren. Eine engere Verknüpfung zwischen Eichstätt, Neuburg, dem Donaumoos und Schrobenhausen ist nicht nur wünschenswert, sondern findet meine absolute Unterstützung.

Eine Tourismusbewerbung muss über Landkreisgrenzen hinweg geschehen – Alleingänge bringen nichts, da für den Touristen das Angebot einer kleinen Region einfach zu schmal ist. Diesbezüglich hatten wir schon in der Vergangenheit angesprochen, dass z.B. die Audi durchaus die Selbstabholer von Fahrzeugen, und das sind immerhin einige Tausend im Jahr, mit Informationsmaterial aus der Region versorgen könnte, um diese Menschen länger an den entsprechenden Orten zu halten und somit positive Propaganda für den Tourismus zu machen. Wir in Schrobenhausen finden langfristig gesehen eine Regionalisierung des Tourismusses unabdingbar.”

Im Donaumoos, genauer gesagt im ‘Haus im Moos’
bewegt sich 2004 jede Menge – Ulrich Sorg, Leiter der Umweltbildungsstätte, ließ unserer Redaktion eine Vorschau auf die geplanten Aktionen zukommen:

“Das Jahr 2004 steht unter dem Motto Weidelandschaft Donaumoos und bietet zu diesem Thema vielfältige Angebote für alle Interessierte in der Großregion Donaumoos. Es finden verschiedene Workshops, Führungen, Vorträge und Feste im HAUS im MOOS statt, die Jahresprogramm ausführlich beschrieben sind und die ganze Bevölkerung ansprechen.

Es werden Informationen zum Entwicklungsleitbild Donaumoos 2000 – 2030 angeboten, die die Landwirte, Gastwirte, aber auch die Familien die im Donaumoos wohnen und nicht direkt von der Landwirtschaft abhängen angehen und auch mit Förderideen nach Leader plus interessant werden.

Herausragend werden die 5. Donaumoostage am 15.-16. Mai, das Museumsfest am 12. September sein und die im Verbund mit der Stadt Neuburg und dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen erstellten KuLiMusiCal – Einladungen am 26. Mai mit Paul Maar und am 5. Juni für Kinder mit Noppo u. Seppi.

Das „historische“ Kartoffel leg’n und klaub’n, am 2.Mai bzw. 26. September, sind nur einige der heuer im Museums angebotenen Sonntagsaktionen, zu denen die Stiftung Donaumoos ins HAUS im MOOS nach Kleinhohenried einlädt. Vogelkundliche Wanderungen bei Tag und Sternenhimmel bewundern aus der Abenddämmerung in die Nacht hinein, Schlangenbrot backen, Bier brauen oder Apfelsaft pressen und Drachen bauen sind Angebote, die sicher viele Familien mit Kindern oder Jugendliche und auch Senioren ins Zentrum nach Kleinhohenried hinziehen lassen. Wanderungen auf dem Moos-Natur-Erlebnis-und Museumspfad vorbei am Hühnerstall beim Öxlerhof, zu den Moorschnucken und zur Wisentweide sind neue attraktive Angebote in diesem Jahr.

Gleich zu Beginn der Museumssaison 2004 wird die Ausstellung Gemalte Ansichten vom Donaumoos eröffnet; eine Plakat- Informationsserie zum Hochwasserschutz und Wasserrückhaltung in der Fläche ist bereits ab Anfang März zu sehen und im Sommer werden Objekte und Formen der Frömmigkeit in der Ausstellungshalle in der Bildungsstätte zu bewundern sein.

Wer sich nach einer Museumsführung zu einer gemütlichen Einkehr zusammen finden möchte, wird im Rosingerhof dazu eine historisch-heitere Gastlichkeit erfahren, oder er stärkt sich vorher dort mit Kuchen oder einer Kartoffelsuppe und fährt dann auf dem Pferdewagen durch das südöstliche Donaumoos mit kundiger Begleitung, oder Sie kommen zu den lustigen Stunden in den Rosingerhof, am 6.Mai zum Wirtshauslieder singen oder am 6. November mit Kindern die Einkehrlieder …beim Bimberlwirt, beim Bamberlwirt, …

Vorträge über den Säbelzahntiger vor 16. Mio. Jahren, über die Votivtafeln im Landkreis, das immer etwas eigenartige Herbstkonzert am 13. November, Vorträge über Biber, Wisent und Brachvögel, und zum Abschluß 2004 eine Lesung der Hl. Nacht – das sind Angebote vom HAUS im MOOS für alle Interessierte.”

WAS SAGT DER FACHMANN?
brennessel Magazin traf Prof. Dr. Harald Pechlaner, Stiftungsprofessur Tourismus Katholische Universität Eichstätt, und befragte ihn zum Thema ‘Regionalmarketing’:

“Der Gast kennt keine Grenzen!” so der Slogan eines eventuellen zukünftigen Leitbildes des Regionalmarketings. “Es geht um Destinations-Management, d.h. die Betrachtung eines Tourismus-Standortes aus der Sicht des Besuchers. In unserer Region 10 wie auch anderswo sehen wir Verwaltungen, die ihr regionales Verständnis über Verwaltungseinheiten definieren. Wir stehen hier also an einem Beginn eines Entwicklungsprozesses, der Erkenntnisstrukturen voraussetzt… – dies ist dem Touristen, dem Gast einer Region jedoch ziemlich egal. Es ist ihm egal, ob er sich im Landkreis Neuburg oder im Landkreis Eichstätt befindet.

Er sucht nach einem Produktbündel. Und dieses Bündel ist in der Region 10 bei weitem mehr als vorhanden. Die Überlegungen des Gastes sind also vorrangig ins Kalkül zu ziehen. Hier müssen Unterscheidungen gemacht werden zwischen dem Kulturgast, dem Bootswanderer, dem Fahrradtouristen, dem Wellnesstouristen etc. etc. Das regionale Produktbündel muss also das Ziel haben, die Aufenthaltsdauer des Gastes zu verlängern – dies kann nur über ein entsprechendes Angebot und über den Faktor Zeit erreicht werden. Für ein gemeinsames Tourismus-Machwerk der Region 10 ist es noch zu früh – die Hausaufgaben im örtlichen Marketing sind noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Hier gilt es eine Studie voranzutreiben und diese nach gründlicher Vorbereitung nicht zur Diskussion zu stellen, sondern als Plattform zur Entscheidung zu definieren.

Andere Tourismus-Regionen haben solche Entwicklungen schon hinter sich; also haben wir es demnach mit einer logischen Aneinanderreihung von Erkenntnissen zu tun, die eine Pragmatik der Politik zwangsläufig nach sich zieht. Es geht also primär darum Netzwerke zu schaffen und Kernprodukte zu definieren, die sich gesamtkonzeptionell vermarkten lassen. Tourismus, Handel, Gewerbe, Handwerk etc. müssen hier mit integriert werden. Als ich Mitte letzten Jahres meine Professur in Eichstätt antrat, hörte ich verschiedentlich Stimmen zum Industriestandort Ingolstadt. Meine Erwartungen waren daher nicht besonders groß, was die Attraktivität der Stadt betrifft. Als ich dann Ingolstadt besuchte war ich überrascht, ja schier begeistert! Diese Stadt ist in keinem Falle nur ein Industriestandort, sie hat kulturell viel zu bieten und engagiert sich mit voller Kraft.

Auch die Audi hat ihren Anteil daran und zeigt ihr Kulturprofil nicht nur in der Stadt, sondern insbesondere im Audi-Museum und mit diversen Kulturveranstaltungen – ist also ein wichtiger Faktor für die Tourismusbewerbung der Region schlechthin. Zählt man nun alle Produkte/Angebote der örtlichen Regionen zusammen: Renaissance Neuburg, Barock Eichstätt, Moderne Ingolstadt, Umweltbildung Donaumoos, Hopfenland Pfaffenhofen, Limes Weißenburg und addiert dazu Radwege, Naturpark, Museen, Kulturdenkmäler, Kirchen und und und – so erhält man ein Produktsortiment, dass jederzeit konkurierbar zu bekannteren Erholungsorten ist. Jedoch darf man nicht überstürzt in eine Regionalisierung eintreten, zuerst müssen die örtlichen Hausaufgaben gemacht werden. Zuerst Ortsmanagement – dann Regionalmanagement!”

..in eigener Sache..
Die Tourismusachse ‘Eichstätt-Neuburg-Schrobenhausen’ ist eine Anregung von brennessel Magazin. Es geht uns bei dieser Idee um die Verknüpfung von den vielfältigen Potentialen der verschiedenen Städte und Gemeinden auf kultureller und gewerblicher Ebene, unter Einbezug der herrlichen Naturareale und den damit verbundenen Freizeitmöglichkeiten. Unserer Meinung nach ist der Tourismus ein ‘noch schlafendes Kind’ in der Region und ein Markt mit großen Zukunftschancen. Auch OB Gmehling argumentierte in seiner Neujahrsansprache mit der Chance ‘Tourismus’! Nach der Aufnahme Eichstätts in unser brennessel Magazin-Gebiet und einem hochinteressanten Gespräch mit Karl Jägle, regionaler Busunternehmer, über die Tourismus-Entwicklung in der Region, war die Idee schon fast geboren.

Denn die Installation der Tourismus-Professur in Eichstätt birgt eine Vielzahl von Möglichkeiten, eine Regionalisierung des Tourismus-Angebotes für eine größere Region vorzunehmen und somit dem Besucher ein komplettes Freizeit- und Kulturspektrum zu offerieren. Schließlich leben und arbeiten wir hier und erleben jeden Tag die kulturellen Highlights, befahren die ausgebauten Fahrradwege, gehen im Sommer an die vielen Kiesweiher zum Baden, spazieren an Donau und Altmühl, erleben einzigartige Tiere wie den Silberreiher, Schilfrohrsänger, Rohrdommel, Weihe, Biber, Storch uvm. – diese Region ist es mehr als wert, von vielen Touristen besucht zu werden – sie ist ein echtes Schmankerl. Die Botschaft kann demnach nur lauten, sich länger in unserer Region aufzuhalten, denn sie ist ein echtes Ferienparadies!

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