Mo. Mrz 1st, 2021

Gemeinde Weichering – 1. Bgm. Thomas Mack

Sie sind der jüngste Bürgermeister im Landkreis ND-SOB. Was hat sie bewegt, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren?
Ich war vorher schon sechs Jahre im Gemeinderat. Am Anfang habe ich mir gedacht, ich wäre mit meinen 24 Jahren ein bisschen zu jung für das Ganze, aber von Jahr zu Jahr wurde es interessanter. Auch meine Arbeit als Jugendreferent hat mir Spaß gemacht. Als mein Vorgänger, Bürgermeister Hubert Landsberger in Ruhestand ging, bot man mir an, als sein Nachfolger zu kandidieren. Und wenn man so eine Chance kriegt, sollte man sie auch nutzen – und es hat geklappt!

Herr Landsberger war 12 Jahre lang Bürgermeister, hat vieles bewegt. Was wird sich unter Ihrer Führung ändern?
Herr Landsberger hat die Gemeinde gut hinterlassen. Das will ich auch hier noch einmal deutlich machen. Neu ist die Rasenschnitt-Entsorgung, weil es für die Leute ein Problem war, Rasenschnitt abzugeben. Der Baumschnitt wird ja vom Landkreis entsorgt. Was in nächster Zeit ansteht, ist ein Radweg nach Lichtenau hinüber. Der Ausbau des Gewerbegebiets wird ein Thema werden und auch die Wohngebietserschließung. Außerdem wollen wir eine vernünftige Anbindung, wenn die B16 ausgebaut wird. Dann müssten auch die Lärmwälle evtl. verlängert oder erhöht werden.

Weichering liegt am Donau-Radwanderweg. Was tut sich im Bereich Fremdenverkehr?
Wir sind gerade dabei, zwei Wanderwege auszuweisen. Das ist zwar nur ein kleiner Schritt, aber wir möchten den Tourismus ein bisschen ankurbeln. Während der Radsaison sind ja jetzt schon die Zimmer im Landgasthof Voglsang ziemlich ausgebucht und die Leute müssen weiter geschickt werden. Wenn unsere Bürger ein freies Zimmer haben, könnten sie das an Radfahrer oder Wanderer vermieten und damit zusätzliche Einkünfte erzielen.

Ingolstadt ist ja nicht weit weg, davon könnten Sie sicherlich profitieren?
Ingolstadt ist ein Besuchermagnet und ich kann mir vorstellen, dass es nicht immer leicht ist, dort ein Zimmer zu bekommen und man kann dann auf die umliegenden Gemeinden ausweichen.

Im Sommer ist das Weicheringer Naherholungsgebiet ein beliebtes Ausflugs- und Badeziel. Da könnte man vielleicht noch ein bisschen mehr unternehmen?
Ja! Als Bürgermeister bin ich automatisch auch Vorsitzender des Naherholungsvereins. Als nächstes wird ein neuer Kiosk gebaut. Und ich glaube, dass wir mit der neuen Vorstandschaft schon etwas bewegen können.

Wie schaut es mit dem Gewerbegebiet aus?
Im bisherigen haben wir alles verkauft. Ein Platz ist in Privatbesitz, wird aber auch noch verkauft. Eigentlich müssten wir wieder ein neues Gewerbegebiet erschließen. Jede Gemeinde, auch wenn sie nicht so verkehrsgünstig liegt wie wir, versucht wegen der Gewerbesteuer-Einnahmen neue Firmen anzusiedeln. Und Weichering liegt an der B16, die Autobahn ist in der Nähe, wir sind zentral zwischen Ingolstadt und Neuburg, München und Nürnberg – eigentlich gute Voraussetzungen für ein Gewerbegebiet.

Wie ist der aktuelle Stand beim Thema Kindergarten und Schule?
Wir haben zwei Kindergärten: einen kirchlichen in Weichering, der gut belegt ist und den gemeindlichen in Lichtenau. Dort stoßen wir im nächsten Jahr schon an die Grenze der Belastbarkeit. Für einen kurzen Zeitraum haben wir dort zu viele Kinder. In der nächsten Gemeinderatsitzung müssen wir darüber beraten, wie wir hier weiter verfahren werden. Die Teilhauptschule haben wir nicht mehr aufgrund zu geringer Kinderzahl. In der Grundschule haben wir vier Klassen. Unsere Hauptschulkinder besuchen die Schule in Karlskron, die anderen Kinder weiterführende Schulen in Neuburg oder Ingolstadt.

Wie hoch ist die Pro-Kopf-Verschuldung in Weichering?
Sie betrug 83 Euro. Wir können sie dieses Jahr wieder senken. Das liegt aber nicht unbedingt am neuen Bürgermeister (lacht), sondern sind noch Auswirkungen der guten Wirtschaftslage und dem vorherigen Gemeinderat.

Wie viel kostet in Weichering ein Bauplatz?
Für Auswärtige 130 – 135 Euro /qm, für Einheimische 110 Euro pro qm.

Das ist aber ganz schön hoch im Vergleich zu anderen Gemeinden!
Bei uns macht sich die Nähe zu Ingolstadt bemerkbar. In Hagau, also 3 bis 4 km von uns entfernt, kostet der Quadratmeter bereits 190 Euro! Bei uns im Schnitt 130 Euro, aber wir können unsere Baugrundstücke trotzdem verkaufen. Wir haben noch gemeindliche Bauplätze, die zu verkaufen sind, die anderen sind privat.

Was liegt Ihnen für die Zukunft am Herzen?
Die Gemeinde soll bürgerfreundlicher werden. Wir wollen versuchen – zumindest dort, wo wir Spielraum haben – den Bürgern zu helfen. Zukunftsprojekte sind ein neues Gewerbegebiet und ein Angebot für Betreutes Wohnen. In Karlshuld gibt es schon ein Seniorenheim. In Oberhausen läuft das Mehr-Generationen-Haus recht gut. Das werden wir uns auch einmal anschauen. Es wird immer wieder von unseren Senioren angeregt, in dieser Richtung etwas zu unternehmen, damit sie im Alter nicht aus ihrer Gemeinde wegziehen müssen. Man muss sich einen Träger für das Ganze suchen, der dann die Pflege übernimmt. Wie gesagt, das ist ein Zukunftsprojekt, ob es nun in fünf Jahren realisiert wird oder erst später, das ist offen.

Was wird der jüngeren Generation in Ihrer Gemeinde geboten?
Das ist momentan ein großes Thema. In Weichering haben wir das „Jugend-Cafe“ für Jugendliche ab 15 Jahren wieder neu belebt. Es wird momentan ganz gut geführt, zwar mit den üblichen Problemen, wie sie jede Gemeinde hat, aber die bleiben im Rahmen. Dazu haben wir noch eine jüngere Gruppe ab 12 Jahren. Die sind recht aktiv, basteln, hatten einen Weihnachtsbasar und nehmen am Gemeinschaftsleben teil. In Lichtenau haben wir leider kein geeignetes Gebäude für einen Jugendtreff. Jetzt stellen wir ein gemeindliches Grundstück zur Verfügung, wo sie zwei Bauwägen aufstellen können. Wegen der Haftung mussten sie dafür aber einen Verein gründen.

Welche Probleme gibt es in Weichering?
Der Durchgangsverkehr in Lichtenau ist ein wenig problematisch, vor allem wegen der Schüler und Kindergartenkinder. Die Lastwagen einer Logistik-Firma fahren bei uns durch. Sie fahren im Takt für Audi und das ist der kürzeste Weg. Da kann man im Moment nichts machen. Karlskron ist aber dran, eine Umgehungsstraße mit vernünftiger Anbindung zu bekommen. Dann steigt in Lichtenau auch die Lebensqualität wieder, wenn weniger Verkehr ist.

Nun möchten wir von Ihnen als Privatperson etwas erfahren.
Ich bin ein gebürtiger Weicheringer und immer schon mit Weichering und Lichtenau verbunden, denn mein Vater ist aus Weichering (Schreiner) und meine Mutter gebürtige Lichtenauerin. Ich bin hier zur Schule gegangen, habe eine Schreinerausbildung und den Meister gemacht, bin verheiratet, habe einen Sohn. Ich bin in fast allen Vereinen Mitglied, bin aktiver Tennisspieler, Sänger im Gesangsverein – ist zwar etwas ungewöhnlich für mein Alter, aber es macht Spaß – , bin aktiver Musiker (spiele Bariton in unserer Unterviertel-Blasmusik) und war aktiver Fußballer.

Bei so vielen Aktivitäten ist Ihnen bestimmt nie langweilig in Ihrer Freizeit?
Da ist nur das Problem, dass ich im Moment wenig Freizeit habe.

Schimpft da Ihre Frau nicht?
Ich bin ja nie zuhause (lacht)! Nein, sie macht echt gut mit. Sie hat ja gewusst, was auf sie zukommt und trägt alles ganz gut mit. Sie ist ein bisschen der Ruhepol in unserer Familie.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass die Leute mit mir als Bürgermeister zufrieden sind, auch wenn man es unmöglich jedem Recht machen kann. Dass die finanzielle Lage angesichts der Wirtschafts- und Bankenkrise nicht so schlimm eintrifft, wie es prognostiziert wird und wir auch in den nächsten Jahren noch Geld für Investitionen zur Verfügung haben. Dass der Zusammenhalt im Gemeinderat und der Verwaltung so gut bleibt wie bisher!

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