Fr. Mai 14th, 2021

Geriatrie Neuburg: Vorreiter bei tiergestützter Ergotherapie
Tiergestützte Beschäftigungstherapien gibt es zwar in Seniorenheimen und in Praxen; in geriatrischen Kliniken werden Tiere zur Unterstützung bei der Ergotherapie jedoch bisher selten eingesetzt. Sandra Grimm, Ergotherapeutin im Geriatriezentrum Neuburg, erzielt damit jedoch gute Erfolge.

Keine Probleme
„Da ist oft die Angst wegen der Hygiene“, erzählt sie, „doch in den sechs Jahren, in denen ich hier mit Tieren arbeite, ist noch kein einziger Fall aufgetreten, dass der Kontakt mit den Tieren Grund für irgendwelche Infektionen war. In unserem Hygieneplan ist genau festgelegt, dass die Patienten die Hände desinfiziert bekommen, welche Impfungen und Entwurmungen der Hund braucht, und wir gehen mit den Tieren nie auf die Stationen, sondern arbeiten mit ihnen nur in den Therapieräumen.“

Motivation zur Bewegung
Die tiergestützte Therapie wird mit Hunden, Hasen und Meerschweinchen durchgeführt und findet dreimal in der Woche als Gruppentherapie statt. Die Tiere werden dabei gefüttert, versorgt, gebürstet, gestreichelt. Schwerpunkt ist die Fürsorge für die Tiere und die sozialen Kontakte der Patienten untereinander. In der Einzeltherapie lenken die Tiere die Patienten von ihren Schmerzen ab und motivieren sie zur Bewegung. „Auch Leute, zu denen man sonst als Therapeut schwer Zugang findet, erreicht man dadurch oft auf emotionaler Ebene. Und man merkt, wie gut ihnen das tut!“

Schlaganfall-Patienten
Die tiergestützte Ergotherapie ist natürlich nur für Patienten geeignet, die Tiere mögen. „Wer Angst vor Hunden hat oder eine Tierallergie, für den ist sie nicht sinnvoll“, erklärt die engagierte Ergotherapeutin. „Angezeigt ist sie bei Patienten mit Schmerzen, Depressionen, Demenz und vor allem bei schwer betroffenen Schlaganfall-Patienten.“ Das Tier wird als Anreiz eingesetzt, während die Therapeutin die normale funktionelle Therapie oder eine neurologische Behandlung durchführt. Ein Beispiel aus der Praxis: „Der Patient hat eine Lähmung an der rechten Hand. Dann führe ich diese Hand beim Streicheln und beim Füttern. Wenn sie schon besser funktioniert, dann werfen wir einen Ball und der Hund apportiert.“ Mit Patienten, bei denen schon Gehtraining und Ausdauer im Vordergrund stehen, geht sie im Garten spazieren, während der Hund brav neben dem Rollator als Animateur mitläuft.

Beruhigend + entspannend
„Die Tiere wirken beruhigend und entspannend, vor allem bei Menschen, die sehr unter Druck oder hohen Erwartungen stehen oder hektisch und nervös sind. Meine Freundin macht Konzentrationstraining bei Kindern, das ich auch schon mit meinen Hunden unterstützt habe – mit sehr gutem Erfolg!“ Es gibt Studien, die beweisen, dass Tiere auf das Herz-Kreislauf-System wirken und z.B. eine blutdrucksenkende Wirkung haben. Wichtig bei der tiergestützten Therapie ist jedoch, dass ein erfahrener Therapeut mit seinem Fachwissen das Training begleitet und den Patienten führt. Was ihr noch positiv aufgefallen ist: Sehr viele Patienten, die schon einmal in der Geriatrie waren und wieder kommen, können sich zwar nicht mehr an sie erinnern, aber an die Tiere und wissen sogar noch deren Namen. Dadurch bekommt sie ganz schnell einen guten Kontakt zu den Patienten und erzielt schneller und bessere Reha-Erfolge.

Weiterbildung & Forschung
Sandra Grimm will in dieser Richtung weiter machen. Sie hat gerade ein Bachelor-Studium für „Ergotherapie“ begonnen. Ihr Ziel ist der Bereich Forschung. „Wenn man die Erfolge in der tiergestützten Ergotherapie mit einer Studie belegen kann und fachlich publiziert, dann werden auch die Krankenkassen ihre Unterstützung zusagen“, ist sie optimistisch. Denn bisher gibt es für die tiergestützte Therapie kein Geld oder nur in ganz großen Ausnahmefällen z.B. für eine Reittherapie. Deshalb freut sie sich darüber, dass sie von der Geriatrie bei den Futter- und Tierarztkosten finanziell unterstützt wird.

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