Do. Dez 1st, 2022

Russland hat die strategisch wichtige Stadt Lyman im ukrainischen Gebiet Donezk aufgegeben. Die Truppen seien wegen der Gefahr einer Einkesselung abgezogen worden, so das Verteidigungsministerium. Eine neue Drohung kommt derweil aus Tschetschenien.

Russland hat in einer weiteren Niederlage gegen die ukrainische Armee die strategisch wichtige Stadt Lyman im Gebiet Donezk aufgegeben. Die Streitkräfte seien wegen der Gefahr einer Einkesselung abgezogen worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Samstag in Moskau. Zuvor hatten ukrainische Behörden von rund 5.000 eingekesselten russischen Soldaten gesprochen. Zugleich hat Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, dazu aufgerufen, den Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine zu prüfen.

Ukrainische Truppen auf dem Vormarsch in annektierte Gebiete
Die ukrainischen Streitkräfte waren im Rahmen einer Gegenoffensive über den Fluss Oskil vorgedrungen, bei der sie seit September weite Teile des Territoriums zurückerobert hatten. Nun können die ukrainischen Truppen möglicherweise weiter in die besetzte Region Luhansk vordringen, eine der vier Regionen, die Russland am Freitag annektierte.

Sollte Lyman langfristig wieder an die Ukraine fallen, wäre der Weg frei bis tief in die übrigen Teile von Donezk, das zusammen mit Luhansk den Donbass bildet. Teile der Gebiete werden seit 2014 von prorussischen Separatisten kontrolliert.

Lyman – wichtiger Knotenpunkt
Lyman ist ein wichtiger Transportknotenpunkt und liegt 160 Kilometer südöstlich von Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine. Die Russen hatten die Kleinstadt im Mai eingenommen. Wegen ihrer strategisch guten Lage mit Eisenbahnknoten und Hauptstraßenverbindung in Ost-Südwestrichtung, bauten die Besatzer Lyman zu einem militärischen Logistik- und Transportzentrum aus.

Westliche Militärexperten gehen davon aus, dass Lyman, wo vor Kriegsausbruch 20.000 Menschen lebten, in den nächsten Tagen komplett befreit wird. In Friedenszeiten hatte die eher dünn besiedelte Region mit ihren Wäldern und Seen als „Donezker Schweiz“ gegolten.

Dämpfer für Putins Propaganda-Offensive
Für die Armee des russischen Präsidenten Wladimir Putin wäre das Vordringen der ukrainischen Truppen eine neue massive Niederlage in der seit mehr als sieben Monaten andauernden Invasion. Der Kremlchef hatte am Freitag die besetzten Teile der Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson unter internationalem Protest annektiert und eine Triumphkundgebung auf dem Roten Platz in Moskau inszeniert.

Atom-Drohung aus Tschetschenien
Der Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, hat dazu aufgerufen, den Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine zu prüfen. Kadyrow, ein enger Vertrauer von Putin, kritisiert auf Telegram die russischen Kommandeure für den Abzug aus Lyman und schreibt weiter: „Meiner persönlichen Meinung nach sollten drastischere Maßnahmen ergriffen werden, bis hin zur Verhängung des Kriegsrechts in den Grenzregionen und dem Einsatz von Atomwaffen mit geringer Sprengkraft.“ – BR

Kommentar verfassen