Do. Sep 16th, 2021

Seit 1961 ist Neuburg die Heimat des Jagdgeschwaders 74 und gilt als Paradebeispiel für Akzeptanz und Miteinander zwischen Bundeswehr und ziviler Bevölkerung.

Für eine unverzichtbare Säule im Sozial- und Wirtschaftsgefüge von Neuburg hält Oberbürgermeister Dr. Bernhard Gmehling das Jagdgeschwader, wie er in seiner Rede auf dem diesjährigen, gemeinsamen Neujahrsempfang erklärte. Der Verband würde sich hier nicht nur zu Hause, sondern ausgesprochen wohl fühlen, hob auch Kommodore Oberst Andreas Pfeiffer das gute Miteinander hervor. Am Donnerstag, den 9. Juni 2011 feiert das Jagdgeschwader 74 auf dem Flugplatz Zell sein 50-jähriges Jubiläum.

Chronik
Die Geschichte des Geschwaders beginnt auf dem in Norddeutschland gelegenen Fliegerhorst Oldenburg. Die 3. Staffel der Waffenschule der Luftwaffe 10 wurde mit dem Jagdflugzeug F-86K Sabre ausgerüstet und das Personal für die neuen Aufgaben geschult. Zur Aufstellung des Jagdgeschwaders 75 wurde die Staffel am 1. Oktober 1960 von Oldenburg nach Leipheim verlegt und am 1. Mai 1961 an den nunmehr nutzbaren Zielstandort Neuburg an der Donau. Aufgrund der Reduzierung der Jagdgeschwader von sechs auf vier erfolgte gleichzeitig eine Umbenennung in Jagdgeschwader 74. Am 5. Mai 1961 konnte der Verband in den Dienst gestellt werden.

Phantom 35 J. Einsatzflugzeug
Im Mai 1964 erhielt das Jagdgeschwader 74 die ersten F-104G Starfighter. Die Umrüstung wurde Anfang 1966 mit der Abgabe der letzten F-86K Sabre abgeschlossen. Am 22. November 1973, dem 32. Todestag von Oberst Werner Mölders, wurde dem Jagdgeschwader 74 der Name „Mölders“ verliehen. Das Jagdgeschwader war damit neben den Geschwadern „Richthofen“, „Boelcke“, „Immelmann“ und „Steinhoff“ eines der Traditionsgeschwader der Luftwaffe. Diesen Namen führte das Geschwader bis zum 11. März 2005. Am 26. September 1974 erhielt das Geschwader die ersten vier F-4F Phantom II, dem Einsatzflugzeug der folgenden fast 35 Jahre. Im Sommer 2005 stellten die Jagdgeschwader 71 und 74 für drei Monate die Alarmrotte im Rahmen der durch die NATO wahrgenommenen Luftraumsicherung der drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen.

Kleinster NATO-Flugplatz Europas
Mit der Übergabe der ersten 4 Eurofighter begann am 25. Juli 2006 ein neues Zeitalter der Geschwadergeschichte. Obwohl der Flugplatz in Zell mit seinen ca. 200 Hektar der kleinste NATO-Flugplatz Europas ist, wurde das Jagdgeschwader 74 als erstes Einsatzgeschwader der deutschen Luftwaffe auf den hochkomplexen Eurofighter umgerüstet. Wie bei den vorhergehenden Umrüstungen wurden beide Flugzeugtypen im Flugbetrieb gehalten, bis die Aufgaben der Alarmrotte mit dem neuen Jagdflugzeug ohne Einschränkungen wahrgenommen werden konnte. Im Juni 2008 gab das Jagdgeschwader 74 seine letzten F-4F Phantom II an das Jagdgeschwader 71 „R“ ab.

Auftrag
Der Luftraum über Deutschland wird, auch im Frieden, im Auftrag der NATO durch die Luftwaffe geschützt. Hierzu stellt das Jagdgeschwader 74, das für den süddeutschen Luftraum zuständig ist, an 365 Tagen im Jahr zwei Jagdflugzeuge, deren Besatzungen und dazugehörige Techniker, die Dienst in einer 24-Stunden-Schicht verrichten. In den meisten Fällen handelt es sich um Flugzeuge, die sich nicht gemäß den luftfahrtrechtlichen Vorgaben verhalten oder zu denen keine Kontaktaufnahme über Funk möglich ist. Bei Bedarf stellt das Geschwader Flugzeuge und Personal der NATO-Eingreiftruppe, kurz NRF oder für andere, durch den Bundestag legitimierte Auslandeinsätze zur Verfügung.

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