So. Sep 19th, 2021

Eichstätt, (upd) – Prof. Dr. Anita Pachner hat die Professur für Lebenslanges Lernen an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) übernommen. Zuvor hatte sie seit 2019 die Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Universität Tübingen inne.
Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören unter anderem die Gestaltung von Lehr-Lernprozessen für Erwachsene sowie die Erforschung der Kompetenz zur Selbstreflexion als Voraussetzung für Lebenslanges Lernen – sowohl bei Lernenden als auch Lehrenden. Mit ihrer Berufung an die KU schließt sich ein Kreis: Professorin Pachner studierte in Eichstätt und Köln von 1997 bis 2003 Diplom-Pädagogik.

„Lernen ist mittlerweile ein Thema über die gesamte Spanne des Lebens hinweg. Am Bildungsbereich außerhalb der Schule ist für mich spannend, dass dieses Feld im Vergleich weniger professionalisiert ist und eine große Bandbreite an Zielgruppen sowohl bei Lernenden als auch bei Lehrenden umfasst“, schildert Pachner. Der Begriff des Lebenslangen Lernens weite den Blick auch und besonders auf informelle Lernprozesse und biete internationale Anschlussmöglichkeiten. Gerade informelles Lernen sei prägend für die Erwachsenenbildung: „In diesem Bereich sind häufig Personen tätig, die nicht ein klassisches Pädagogik-Studium absolviert haben, sondern sich ihre didaktischen Kompetenzen auf anderem Wege angeeignet haben“, erklärt Professorin Pachner. Deshalb besteht ein weiterer ihrer Arbeitsschwerpunkte in der Frage, wie sich Wissen und Kompetenzen validieren lassen, die informell erworben wurden. So sei jedes EU-Land angehalten, entsprechende Verfahren zu entwickeln. Aktuell leitet sie hierzu das durch das EU-Programm ERASMUS+ geförderte Projekt „Professionalization of validation experts“ (PROVE).

Die grundlegende Herausforderung für Bildungsprozesse außerhalb der Schule bestehe darin, sie anschlussfähig an die jeweiligen Bildungsbiographien und das Lebensumfeld der Teilnehmenden zu gestalten. Es genüge nicht mehr, eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren, um damit das gesamte Berufsleben zu bestreiten. „Die Aufgabe der Erwachsenenbildung ist es, Bildungsbedürfnisse und -bedarf laufend zu erkennen und geeignete Angebote zu entwickeln. Aktuell gilt es zum Beispiel, Themen der Digitalisierung auch für Menschen zugänglich zu machen, die mit entsprechenden Medien und Werkzeugen nicht aufgewachsen sind“, erklärt Professorin Pachner. Gleichzeitig bestehe nach wie vor ein Missverhältnis zwischen der gesellschaftlichen Bedeutung von Lebenslangem Lernen und der Ausstattung dieses sogenannten quartären Bildungsbereiches.

Prof. Dr. Anita Pachner studierte Diplom-Pädagogik mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung und Arbeitswissenschaft an der KU sowie der Universität zu Köln. Anschließend promovierte sie an der Ludwig-Maximilians-Universität München zur „Entwicklung und Förderung von selbstgesteuertem Lernen in Blended-Learning-Umgebungen“. Pachner war wissenschaftliche Assistentin an der TU Kaiserslautern. Dort koordinierte sie innerhalb des vom Bundesforschungsministerium geförderten Verbundprojektes „Alphabetisierung und Bildung“ das Teilprojekt zur Angebotsentwicklung. Im Wintersemester 2014/15 vertrat sie bereits die Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Universität Tübingen, die sie dann ab 2019 innehatte. In Tübingen trieb sie außerdem ihr Habilitationsprojekt voran und leitete ab 2015 die Nachwuchsforscher*innengruppe „Analyse und Förderung der Professionalität des Personals in Schule und Erwachsenenbildung“ in enger Kooperation mit der Tübingen School of Education. – Constantin Schulte Strathaus

 

(Foto: T.W. Klein)

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