So. Aug 14th, 2022

Eichstätt, (upd) – Die Universitätsbibliothek in Eichstätt ist neuerdings im Besitz eines Faksimiles des so genannten Bamberger Psalters, der zu den bedeutendsten Werken der süddeutschen Buchkunst des ausgehenden Hochmittelalters zählt. Die um das Jahr 1230 entstandene Handschrift ist mit prächtig gestalteten Miniaturen mit Szenen zum Neuen Testament sowie Goldrankeninitialen ausgestaltet und mit einem einzigartigen Einband aus Hornplatten versehen. Das Original wird in der Staatsbibliothek Bamberg aufbewahrt – eine besonders kostbare Replik wird derzeit als Leihgabe in der Hofgartenbibliothek in Eichstätt im Rahmen der Ausstellung „Pracht & Andacht. Psalterien des Mittelalters“ gezeigt. Bei der Eröffnung der Ausstellung überreichte die Direktorin der Staatsbibliothek Bamberg, Prof. Dr. Bettina Wagner, eine weitere Replik des Bamberger Psalter als Geschenk für die Universitätsbibliothek Eichstätt an deren Leiterin Dr. Maria Löffler sowie die Leiterin der Abteilung Historische Bestände, Dr. Heike Riedel.

In einem Vortrag erläuterte Wagner die Entstehungsgeschichte des Bamberger Psalters, die Besonderheiten in der Ausgestaltung – und den Bezug des kostbaren Buches zu Eichstätt. Aufgrund einer handschriftlichen Eintragung wurde rekonstruiert, dass die prunkvolle Handschrift in Regensburg für eine adlige Dame aus der Familie der Grafen von Hirschberg geschaffen wurde, die im Raum Eichstätt ansässig waren. Der Codex war für die private Andacht bestimmt.

Nach dreijähriger Vorbereitung erschien 2019 im Quaternio-Verlag Luzern eine Faksimile-Ausgabe des Bamberger Psalters. Die Edition gibt alle 210 Blatt originalgetreu wieder. Ein solches Exemplar gehört nun zum Bestand der Universitätsbibliothek Eichstätt. Diese zeigt seit dieser Woche in der Hofgartenbibliothek neben dem Faksimile des Bamberger Psalters weitere Handschriften und Drucke, in denen sich die vielfältigen Funktionen, die der Psalter im Mittelalter für Kleriker und Laien erfüllte, widerspiegeln.

Ursprünglich ist der Psalter eine Sammlung der religiösen Gesänge Israels, die teilweise bis ins erste vorchristliche Jahrtausend zurückreichen. Auch die christliche Kirche trägt von Anfang an in ihrem Gottesdienst Psalmen vor. Nachhaltig hat der Psalter die Liturgie, die Frömmigkeit und die Lebenspraxis der mittelalterlichen Christenheit geprägt. Als wichtigstes Gebetbuch entstanden prachtvolle Codizes für hochstehende Persönlichkeiten, die auch der Repräsentation dienten, daneben einfachere Exemplare für die praktische Gebetsausführung. Die Ausstellung zeigt solche Handschriften und Wiegendrucke aus dem Bestand der Universitätsbibliothek, die für die Ausübung der Liturgie oder das wissenschaftliche Textstudium benötigt wurden. Einige zeigen heute noch Spuren ihres intensiven Gebrauchs – und belegen damit, wie wertvoll auch sie trotz ihrer schlichteren Ausstattung für ihre Besitzer waren.

Die Ausstellung „Pracht & Andacht. Psalterien des Mittelalters“ ist bis 30. September 2022 in der Hofgartenbibliothek zu sehen. Geöffnet ist die Bibliothek montags von 14 bis 16 Uhr, dienstags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr. Auf Wunsch werden Führungen angeboten. – Constantin Schulte Strathaus, KU Eichstätt-Ingolstadt

 

 

Bildinformation „Ausstellung01“: Die Ausstellung „Pracht & Andacht. Psalterien des Mittelalters“ zeigt unter anderem die 15 ganzseitigen Miniaturen, mit denen der Bamberger Psalter ausgestaltet ist. – Fotos: Klenk/upd

Kommentar verfassen