Do. Mai 26th, 2022

Neuburg – Wissen Sie was ein Déjà-Vu Erlebnis ist? Dieses Gefühl, dass man genau dieselbe Situation schon einmal durchlebt hat und sie nun auf geheimnisvolle Weise wiederkehrt. Genau das überkommt einen, wenn man vor ausgedünnten Regalen im Supermarkt steht. Ebenso wie bei Beginn der Coronakrise kommt es zur Zeit wieder zu Hamstereinkäufen. Diesmal ist es allerdings nicht das Virus, sondern der Ukrainekonflikt, der die Angst vor Engpässen schürt. Und diesmal geht es weniger um Clopapier, sondern mehr um essbare Vorräte.

Schließlich handelt es sich bei der Ukraine um die Kornkammer Europas. Deshalb bunkern nun auch die Angehörigen der Generationen, die sich lange Zeit über die Notvorräte ihrer Großeltern lustig gemacht haben, fleißig Weizenmehl, Sonnenblumen- und Rapsöl. Auch Honig, Nudeln, Reis und Hefe sind gefragt. Politiker rüsten auf, die Bürger rüsten sich aus – gegen schlechte Zeiten, auch wenn man diese in unserer Wohstandsgesellschaft bisher zum Glück noch nicht erleben musste.

Der Umstand, dass gebeten wird, von Hamsterkäufen abzusehen, und die Versicherung, man sei gegen Lebensmittelknappheit gefeit, hat leider einen eher gegenteiligen Effekt. Zu viele Menschen hatten die letzten zwei Jahre den Eindruck, dass nicht selten das Gegenteil von dem eintrat, was Politik, Wirtschaft und Medien versprochen haben. Auch lässt sich nicht leugnen, dass das Gespenst eines Versorgungskollapses in der Luft hängt. Dennoch: Hamstereinkäufe sind unsolidarisch. Sie befördern eine bisher hauptsächlich durch logistische Probleme auftretende Verknappung von Lebensmitteln. Aber natürlich: Die Angst vor Hunger ist elementar, ebenso wie die vor langen, kalten Wintern. Das Motto „Frieren für den Frieden“ begeistert nur in der Theorie, nicht unbedingt in der Praxis. Deshalb ist nicht nur Speiseöl gefragt, sondern vor allem auch Heizöl und alle andere Energiestoffe. Viele Menschen füllen jetzt ihre Tanks auf, und Vorratskanister für Benzin sind mittlerweile so gut wie ausverkauft.

„I want you to panic“. Das muss man uns Deutschen nicht zweimal sagen. Die „german Angst“ ist mittlerweile ja sprichwörtlich. Wir drehen gerne am Rad. Deshalb wird gehamstert, was man nur hamstern kann. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Nichts spricht gegen einen vernünftigen Notvorrat, wie auch der zivile Bevölkerungsschutz ihn empfiehlt. Er besteht aus: 20 Liter Wasser, 3,5 kg Getreideprodukte, Reis und Kartoffeln, 4 Kg Hülsenfrüchte und Gemüse in Dosen 2,5 Kg Obst ebenfalls in Dosen oder Gläsern, das alles pro Person gerechnet. An Technik wird noch zu einem Campingkocher, einer handbetriebenen Taschenlampe und einem batteriebetriebenen Radio geraten. Und selbstverständlich sollte man auch an Medikamente denken.

Wer das Gefühl hat, dass dies alles nicht ausreicht, sollte sich jedoch die Frage stellen, ob man mit einem zusätzlichen Overkill an Speiseöl und Brotbackmischungen tatsächlich durch einen atomaren Winter kommen würde. Vermutlich nicht. Setzen wir also lieber auf die Vernunft – auf unsere eigene und ganz besonders auf die aller verantwortlichen Politiker – denn der Weltfrieden ist ein unbezahlbares Gut und nicht auf Vorrat zu haben. – Christiane Maria Borrmann, brennessel Magazin

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