Mo. Jun 14th, 2021

Ein Stück Frankreich mitten in Bayern.
Ein paar Schritte nur und man steht zwischen Ober- und Unterhausen auf französischem Boden! Denn bis heute ist Frankreich der grundbuchmäßige Eigentümer eines Grundstückes, auf dem ein Denkmal zu Ehren des „Ersten Grenadier Frankreichs“ Latour d’Auvergne steht, ein verdienter und berühmter französischer Offizier, der während der Napoleonischen Kriege im Jahre 1800 bei einer Schlacht nahe Oberhausen ums Leben kam. Das Grundstück mit Denkmal über seinem Grab wurde noch im selben Jahr Eigentum Frankreichs. Der Leichnam Latours wurde jedoch 1889 nach Paris überführt und im Pantheon beigesetzt. Von der Geschichte zurück zur Gegenwart Oberhausens: Wir befragten dazu 1. Bürgermeister Fridolin Gößl.

Herr Bürgermeister Gößl Sie sind seit Mai 2002 Gemeindechef in Oberhausen. Was hat sich seither getan?
Ich denke, dass wir zusammen mit dem Gemeinderat in den letzten vier Jahren schon sehr viel erreicht haben. Die B16-Ortsumfahrung, die in der Amtszeit meines Vorgängers Xaver Schiele begann und deren Fertigstellung wir nun begleiten durften, war einer der wichtigsten Punkte. Weitere wichtige Themen waren die Übernahme der Wasserversorgung durch die Stadtwerke Neuburg, die Weiterentwicklung der Infrastruktur und die Ausweisung von Baugebieten.

Die Gemeinde Oberhausen expandiert ja ständig: Auf dem Gelände der ehemaligen Tilly-Kaserne entsteht das Wohn- und Gewerbegebiet Kreut als 4. Ortsteil Oberhausens; neue Wohngebiete auch nordöstlich von Unterhausen, westlich von Oberhausen und jetzt auch im Osten….
Dort liegt unser neuestes Baugebiet „Strassäcker“ mit 60 Einheiten. Unser langfristiges Ziel ist, die 3.000-Einwohner-Grenze (jetzt knapp 2.600) zu erreichen, um den Bestand an Einwohnern trotz der demographischen Entwicklung zu halten und auszubauen.

Wie ist der aktuelle Stand hinsichtlich Schule/Kindergarten?
Wir haben eine Grundschule mit 4 Jahrgangsstufen, die doppelzügig geführt werden. Auch heuer konnten aufgrund der Schülerzahlen wieder zwei 1. Klassen gebildet werden mit jeweils 17/18 Schülern. Dadurch können unsere Kinder in kleinen Klassen ihre Schulbildung genießen. Die Kindergärten in Oberhausen und Sinning sind sehr gut besucht und wir können ausreichend Plätze bereitstellen.

Was verbirgt sich hinter dem Projekt „Jung & Alt“?
Wir wollen im Ortskern von Oberhausen eine „außerfamiliäre Mehrgenerationen-Wohnanlage“ bauen mit 12 Wohnungen von 45 bis 90 qm. Dort sollen sich einerseits junge Familien ansiedeln, die eine Wohnung suchen, andererseits wollen wir auch unseren älteren Mitbürgern, die nicht mehr in der Lage sind, ihre großen Grundstücke mit 1000 qm Garten und Haus selber zu pflegen, die Möglichkeit geben, weiterhin in ihrem Wohnort bleiben zu können.

Geschieht dies in Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Kirchen und Sozialverbänden?
Diese Konzeption kommt von der Stiftung Liebenau aus Baden-Württemberg, die dort schon 20 solcher Anlagen mit 200 Wohnungen hat. Die Maßnahme insgesamt wird von der Gemeinde Oberhausen durchgeführt und betreut. Natürlich werden die Sozialverbände mit eingebunden, weil dort auch Menschen wohnen werden, die Betreuung brauchen, Mittagessen, Kurzzeitpflege etc., aber ist es kein „Betreutes Wohnen“ und auch kein Pflegeheim, sondern eine Wohnanlage, wo junge und alte Menschen außerfamiliär generationsübergreifend soziale Kontakte knüpfen können z.B. im integrierten Gemeinschaftsraum. Baubeginn wird voraussichtlich im Frühjahr 2007 sein.

Wie hat sich die Umgehungsstraße auf die wirtschaftliche Situation in Oberhausen ausgewirkt?
Da wir nur wenig Laufkundschaft hatten – abgesehen von den Lebensmittelgeschäften direkt an der alten B16 –, hatte dies nur in kleinen Bereichen negative Folgen. Ansonsten ist die Umgehungsstraße auch wirtschaftlich gesehen eine gute Sache. Der Industriepark Oberhausen liegt direkt an der B16, die An- und Abfuhr muss dadurch nicht mehr durch die Ortschaften erfolgen.

Wie sieht es finanziell in der Gemeinde aus?
In den letzten Jahren waren die Gewerbesteuereinnahmen sehr gering. Unser größter Gewerbesteuerzahler mit ca. 500.000 Euro pro Jahr ist 1998 weggefallen. Mittelfristig werden wir uns von diesem Einnahmeausfall erholen und in den nächsten Jahren versuchen, den Verwaltungshaushalt wieder auszugleichen. Dazu möchte ich betonen: Unsere ganzen Investitionen konnten wir nur tätigen, weil wir uns Partner aus der freien Wirtschaft gesucht haben. Überall wurden Bedingungen geschaffen, welche die Gemeinde finanziell nur wenig belasten. Das neue Baugebiet läuft z.B. über einen Erschließungsvertrag mit der Raiffeisenversicherungsdienst Ober- Unterhausen Sinning GmbH und das Gewerbegebiet in Kreut über einen Erschließungsvertrag mit der Tilly-Immobilien usw.

Wie hoch ist die Pro-Kopf-Verschuldung?
Ca. 300 Euro. Wir haben aber noch große Investitionen im Abwasserbereich zu tätigen. Derzeit wird die 35 Jahre alte Kläranlage in Oberhausen erneuert, dann müssen verschiedene Teilstücke im Ortsbereich saniert werden. In Sinning haben wir dafür bereits 440.000 Euro ausgegeben, in Oberhausen wird die nächste Maßnahme 500.000 Euro kosten. 4 Mio Euro netto werden es letztendlich sein, bis wir die meisten Sanierungsarbeiten in der Gemeinde abgeschlossen haben.

Welches ist das größte Problem in Ihrer Gemeinde?
Die finanzielle Ausstattung! Die Aufgaben werden oft „von oben nach unten“ verlagert, jedoch nicht die finanziellen Mittel dafür. Außerdem werden immer höhere Standards gefordert und die Auflagen erhöht, z.B. im Wasser- oder Abwasserbereich. Ein weiteres Problem ist, dass viele Menschen kein Verständnis dafür aufbringen, dass die Gemeinde die Interessen der Allgemeinheit vertreten muss und daher manchmal private Interessen zurückstehen müssen. Eines der größten Themen der Zukunft wird der demographische Wandel sein. Immer mehr ältere Menschen werden wegen der kürzeren Wege und den ganzen Versorgungseinrichtungen in die Stadt ziehen und es besteht dadurch die Gefahr, dass kleinere Kommunen wie Oberhausen ausbluten.

Was finden Sie positiv?
Es gibt in unseren Ortsteilen erfreulicherweise noch sehr viele Menschen, die unentgeltlich für die Allgemeinheit arbeiten. Beim Anlegen des Parkplatzes neben dem Gemeindeamt wurde z.B. das Haus mit ehrenamtlicher Hilfe abgetragen und der Platz gepflastert! Ehrenamtliche Helfer gab es auch bei der Sanierung des Friedhofes in Sinning. Als Bürgermeister freut mich dieses freiwillige Engagement sehr, wofür ich mich im Namen der Gemeinde bedanken möchte. Natürlich auch bei den vielen Ehrenamtlichen, die sich in unseren Vereinen engagieren.

Oberhausen ist überall von Wald umgeben. Kann die Gemeinde davon profitieren?
Wir wollen uns in Richtung „sanfter Tourismus“ entwickeln. Wir haben über das Leader-Plus-Programm Wanderwege ausgewiesen und wollen Kulturdenkmäler und geologische Fundstätten vermehrt in den Mittelpunkt stellen. Im nächsten Jahr wird der Radweg von Oberhausen nach Sinning gebaut, so dass die Verbindungen noch besser werden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Für die Gemeinde: dass die positive Entwicklung weitergeht und wir den demographischen Wandel in Griff kriegen. Persönlich: Gesundheit für meine Familie und mich.

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